Recht & Urteile

Privater Gebrauchtwagenkauf: Wer haftet bei einer Probefahrt?

Viele Interessenten bestehen beim privaten Kauf eines gebrauchten Fahrzeuges auf die vorherige Durchführung einer Probefahrt. So erhalten sie zum einen ein erstes Fahrgefühl für das neue Auto, zum anderen können Auffälligkeiten mit dem Verkäufer besprochen werden.

Der Verkäufer geht jedoch mit einer Testfahrt ein gewisses Risiko ein. Wer übernimmt die Haftung, wenn es zu einem Unfall, einem Geschwindigkeitsverstoß oder sogar zum Diebstahl des Fahrzeuges kommt? Um einen rechtlich abgesicherten Autoverkauf inklusive sicherer Probefahrt zu organisieren, sind nach Mitteilung des Portals für Gebrauchtwagen-Verkauf wirkaufendeinauto.de einige Aspekte von besonderer Bedeutung.

Die Absicherung vor der Probefahrt

Bevor der Interessent den Wagen testen darf, ist es ratsam, wichtige Kriterien im Vorfeld schriftlich zu regeln. In einem Vertrag (welchen es auch als Mustervorlagen im Internet gibt), sollten der vollständige Name und Adresse des potentiellen Käufers und des Verkäufers sowie das Datum der betreffenden Probefahrt (Zeitraum der Probefahrt) sowie eine mögliche Kaution oder Sicherheit (Pfand) festgehalten werden. Der Interessent sollte versichern, im Besitz einer gültigen Fahrerlaubnis zu sein (am besten den Führerschein vorlegen lassen!), sowie in der Lage zu sein, ein Kraftfahrzeug sicher zu führen. Der Verkäufer sollte sich davon überzeugen, dass der potentielle Käufer beispielsweise nicht alkoholisiert ist oder unter Drogeneinfluss steht. Sinnvoll ist auch die Regelung, keine weiteren Personen, Sachen oder Tiere während der Fahrt zu befördern.

Über die Haftung bei Unfällen sollten klare Absprachen getroffen werden. Der Probefahrer haftet nämlich für alle verschuldeten Schäden. Geklärt werden sollte daher vorab, wie das Kfz versichert ist und in welcher Höhe eine Selbstbeteiligung besteht. Die Selbstbeteiligung im Falle eines vom Käufer verursachten Schadens samt dem daraus resultierenden Rückstufungsschadens bezüglich der Kfz-Versicherung muss im Vertrag festgehalten werden, um rechtlich abgesichert zu sein. Kommt es zu Beschädigungen oder einem Unfall, muss der verursachende Fahrer dafür haften. Eine private Haftpflichtversicherung kommt dafür regelmäßig nicht auf.

Verstöße während der Probefahrt: Wer haftet?

Wenn das Fahrzeug noch unbekannt ist, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass es während der Probefahrt zu einem Zusammenstoß oder zu kleineren Beschädigungen kommt. Auch um das Fahrzeug in seiner Geschwindigkeit zu testen, kann es aus Unachtsamkeit passieren, dass Geschwindigkeitsbegrenzungen übersehen und nicht eingehalten werden. Werden Verkehrsverstöße begangen, ist immer der Fahrer dafür zur Verantwortung zu ziehen (Ausnahme Parkverstöße).

Dem Halter des Kfz kann beispielsweise die Führung eines Fahrtenbuchs auferlegt werden, wenn der Fahrer als Geschwindigkeitssünder nicht ermittelt werden kann (Urteil des Verwaltungsgerichtes Braunschweig (AZ 6 A 193/03). Es liegt daher im Interesse des Verkäufers zur Umgehung einer solchen Fahrtenbuchauflage den Fahrer benennen zu können.

Wenn der Wagen während der Probefahrt gestohlen wird

Der Käufer macht einen seriösen Eindruck, der Probefahrt-Vertrag ist unterschrieben und die Dauer sowie die grobe Wegstrecke festgelegt. Doch der Interessent kommt nach der vorgegeben Zeit nicht wieder. Wenn klar wird, dass der Wagen vom Testfahrer gestohlen worden ist, hat der Verkäufer im besten Fall noch rechtsgültige Ausweispapiere des Schuldigen zur Hand und kann Anzeige erstatten. Kann dieser nicht gefunden werden, ist ja immer noch an die Kaskoversicherung zu denken, die hierfür grundsätzlich eintrittspflichtig ist.

Möglicherweise leistet die Kaskoversicherung aber auch nicht, nämlich dann, wenn ein Fall der groben Fahrlässigkeit seitens des Verkäufers angenommen werden kann. Dies ist regelmäßig anzunehmen, wenn der Verkäufer dem Kaufinteressenten vor der Probefahrt Fahrzeugpapiere (Zulassungsbescheinigung Teil I und II; ehemals Fahrzeugschein und Fahrzeugbrief) ausgehändigt und sich nicht einmal die persönlichen Daten des Kaufinteressenten notiert hat.

Rechtsindex - Recht & Urteile

Beitrag teilen:

Information zum Beitag Dieses Urteil wurde am 16. September 2015 eingetragen und wurde 6487 mal gelesen

Neue Urteile

23.06.2017 - Tickets und Konzertkarten zum Selbstausdruck - Keine Servicegebühr von 2,50 €

Das Oberlandesgericht Bremen erklärt Klauseln über Preisnebenabreden in Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) eines Onlineanbieters für Veranstaltungstickets ("Premiumversand inkl. Bearbeitungsgebühr 29,90 EUR" und "ticketdirekt - das Ticket zum Selbstausdrucken... 2,50 EUR") für unwirksam.
Urteil lesen

22.06.2017 - Handy am Steuer - Mobiltelefon ohne SIM-Karte

Im vorliegenden Fall war der Betroffene im September 2016 mit seinem Auto unterwegs und hielt sein iPhone, in das keine SIM-Karte eingelegt war, in den Händen. Dabei benutzte er es zum Abspielen von Musik. Unterliegt das auch der verbotswidrigen Nutzung eines Mobiltelefons (Verstoß gegen § 23 Abs. 1a StVO)?
Urteil lesen

22.06.2017 - "Auto für 15 Euro" - Nicht ernst gemeinte Aussage landet vor Gericht

Der Beklagte bot seinen Gebrauchtwagen in einem Internetportal zum Verkauf an. Daraufhin meldete sich ein Interessent, der allerdings völlig andere Vorstellungen vom Kaufpreis hatte. Die Verhandlungen scheiterten. Der Verkäufer äußerte zuletzt per Mail, dass der Interessent das Auto für 15 € haben könne... Dieser bestand nun darauf.
Urteil lesen

18.06.2017 - Prozessauftakt gegen Berliner U-Bahn-Treter: Ablehnungsgesuch gegen Schöffen

Aktuell hat die 21. Große Strafkammer des Landgerichts Berlin das Verfahren gegen den Berliner U-Bahn-Treter wegen Befangenheit einer Schöffin ausgesetzt. Für die Neuverhandlung werden neue Schöffen benannt. Die jetzt für befangen befundene Schöffin wird nicht noch einmal eingesetzt.
Urteil lesen

18.06.2017 - Rauchen auf der eigenen Terrasse - Nachbarn beschweren sich!

Ein Ehepaar hatte regelmäßig auf seiner Terrasse in einer Dortmunder Reihenhaussiedlung gesessen und geraucht. Dies "stank" den Nachbarn, denn sie waren überzeugte Nichtraucher. Zunächst führten sie noch Gespräche, jedoch wollte keine Seite einlenken. Der Fall landete schließlich vor Gericht.
Urteil lesen

17.06.2017 - Straßenrowdy - Das Recht des Stärkeren im Straßenverkehr

Ein 19-Jähriger befuhr mit dem BMW seines Vaters die Autobahn A9. Im Bereich einer Autobahnausfahrt überholte er unerlaubt die stockende Fahrzeugkolonne neben der eigentlichen Fahrspur. Als er wieder auf die reguläre Fahrspur einscheren wollte, ließ ihn ein Autofahrer nicht rein. Der 19-Jährige stieg aus und die Situation eskalierte...
Urteil lesen