Amtsgericht Rheine, Urteil vom 12.05.2016 - 14 C 391/14

Verlust langer Haare - Schmerzensgeld nach Friseurbesuch

Während einer Friseurbehandlung verspürte die Kundin eine starke Hitze im Nackenbereich mit dem Ergebnis, dass durch die Behandlung ihre langen Haare angesengt wurden. Die Haare mussten daraufhin deutlich gekürzt werden. Es würden Jahre vergehen, bis sie wieder ihre Länge habe, so die Kundin. Sie verlangt 4.000 Euro Schmerzensgeld.

Der Sachverhalt

Eine Friseurkundin wollte sich ihre langen schwarzen Haare, die sie bereits selber schon mehrfach gefärbt hatte, blondieren lassen. Die Friseurin hielt die Haare der Kundin in keinem guten Zustand und riet ihr von einer KomplettBlondierung ab. Stattdessen schlug die Friseurin ihr eine Färbung mittels der "Painting-Methode" vor.

Damit war die Kundin einverstanden. Noch während der Behandlung klagte die Kundin über Hitze im Nackenbereich, woraufhin die Friseurin die Haare umgehend ausspülte. Dennoch waren die Haare bereits angesengt bzw. verbrannt. Die rund 90cm langen Haare mussten bis auf Boblänge gekürzt werden.

Kundin verlangt 4.000 Euro Schmerzensgeld

Da das vollständige und gesunde Nachwachsen der Haare bis zu der ursprünglichen Länge einen langen Zeitraum erfordere, verlangte die Kundin ein Schmerzensgeld in Höhe von wenigstens 4.000,00 Euro.

Das Urteil des Amtsgerichts Rheine

Die Friseukundin hat gegen die Beklagte einen Schmerzensgeldanspruch gemäß §§ 280 Abs. 1, 253 BGB, jedoch nur in Höhe von 1.000,00 Euro, so das Amtsgericht Rheine in seinem Urteil (Az. 14 C 391/14). Unstreitig sind die Haare der Kundin aufgrund der Färbung bei der Beklagten geschädigt worden. Hierfür ist die Beklagte auch gemäß §§ 276, 278 BGB verantwortlich.

Es ist davon auszugehen, dass das "Verbrennen" der Haare alleine darauf zurückzuführen ist, dass die extrem vorgeschädigten und gefärbten Haare der Kundin auf das von der Beklagten verwendete Oxidationsmittel reagiert haben, es sodann zu einem Wärmestau gekommen ist, der sich durch die Folie im Haar erhöht hat. Nach den Angaben der Sachverständigen kann jedenfalls nicht ausgeschlossen werden, dass alleine die Painting-Methode  ausgereicht hat, um das "Verbrennen" der bereits strukturgeschädigten Haare zu verursachen.

Schmerzensgeldbemessung

Für die Höhe des Schmerzensgeldes war u.a. zu berücksichtigen, dass die Kundin kein volles und gesundes Haar hatte, sondern ihr Haar bereits erheblich vorbeschädigt war. Nur deshalb lässt sich erklären, dass ihre Haare bei der Färbung so erheblich reagiert haben. Das Gericht hält ein Schmerzensgeld von nicht mehr als 1.000,00 Euro für angemessen.

Gericht:
Amtsgericht Rheine, Urteil vom 12.05.2016 - 14 C 391/14

AG Rheine
Rechtsindex - Recht & Urteile

Beitrag teilen:

Information zum Beitag Dieses Urteil wurde am 19. Dezember 2016 eingetragen und wurde 8247 mal gelesen

Neue Urteile

29.03.2017 - Vorsicht beim Aufruf einer öffentlichen Party über Facebook

Eine Frau hatte auf Facebook öffentlich sichtbar zu einer Party eingeladen, bei der bereits 4.000 Personen zugesagt und 40.000 ein "Like" erteilt hatten. Die Frau distanzierte sich daraufhin von der Veranstaltung. Es kamen dennoch rund 500 Personen. Die Behörde verlangt 2.500 € Verwaltungskosten.
Urteil lesen

26.03.2017 - Reinigungsannahme: Das rosa verfärbte Brautkleid

Beim Abholen des weißen Brautkleides aus der Reinigung verschlug es der Kundin die Sprache: Das ursprünglich weiße Kleid hatte sich durch die Reinigung rosa verfärbt. Als das Reinigungsunternehmen unter Hinweis auf seine AGB meinte, für den Schaden nicht haften zu müssen, lief die Kundin rot an vor Wut. Sie zog vor Gericht.
Urteil lesen

25.03.2017 - Mietwohnung - Duschen im Stehen kann eine vertragswidrige Nutzung darstellen

Nutzt ein Mieter das Badezimmer vertragswidrig, kann er wegen Schimmels den Mietzins nicht mindern. Im vorliegenden Fall hat das Duschen im Stehen eine vertragswidrige Nutzung dargestellt, da die Badewanne nur halbhoch gefliest war und mit jedem Duschen Spritzwasser in die ungefliesten Wandanteile eindrungen ist.
Urteil lesen

25.03.2017 - SG Heilbronn entscheidet gegen BSG-Urteil: Keine Sozialleistungen bei Aufenthaltsrecht nur zur Arbeitsuche

Das Sozialgericht Heilbronn (Az. S 15 AS 2208/14) hat abweichend von der derzeitigen Rechtsprechung des Bundessozialgerichts entschieden, dass Personen, die sich mit einem Aufenthaltsrecht allein zur Arbeitssuche in Deutschland aufhalten, keinen Anspruch auf Sozialleistungen haben.
Urteil lesen

19.03.2017 - Der uneinsichtige Rentner im Straßenverkehr

Der Rentner fuhr mit seinem PKW auf einer Straße in München. Da auf seiner Fahrbahn ein PKW parkte, wechselte er auf die Gegenfahrbahn, um an diesem vorbeizufahren. Genau in diesem Moment kam ihm dort auf der Gegenfahrbahn ein Fahrradfahrer entgegen. Der Rentner wollte nicht ausweichen und drohte damit, den Radfahrer umzufahren.
Urteil lesen

19.03.2017 - Fahrerlaubnisentzug: Sind "Reichsbürger" psychisch krank?

Die Behörde ordnete einem "Reichsbürger" an, ein neurologisch-psychiatrisches Gutachten über seine Fahreignung vorzulegen. Seine abstruse Rechtsauffassung und die Ablehnung der deutschen Rechtsvorschriften können sich auch auf die Fahrerlaubnis erstrecken. Ein Gutachten brachte er nicht bei und die Fahrerlaubnis wurde entzogen. Zu Recht?
Urteil lesen