Landgericht Essen, Urteil vom 01.06.2015 - 18 O 270/14

Im Glasgebäude gegen Glaswand geprallt - Schmerzensgeld?

In einem modernen Gebäude, das hauptsächlich aus Glas bestand, lief eine Frau gegen eine Glaswand und verletzte sich im Gesicht. Die Frau ist der Meinung, der Veranstalter der Fachtagung habe seine Verkehrssicherungspflicht verletzt. Die Frau verlangt Schadensersatz und Schmerzensgeld. 

Der Sachverhalt

Wie die telefonische Rechtsberatung der Deutschen Anwaltshotline berichtet, reiste eine Frau zu einer Fachtagung. Der Tagungsort war ein Gebäude mit moderner Architektur und die Raumteile waren durch Doppelverglasungen getrennt. Sie selbst hielt sich im Auditorium auf, wollte dieses aber nochmal verlassen.

Als sie zwischen den einzelnen Teilnehmergruppen hindurch gehen wollte, prallte sie mit dem Gesicht unmittelbar gegen eine Glaswand und stürzte zu Boden. Sie hatte die polierte Doppelverglasung übersehen. Sie zog sich eine Platzwunde an der Lippe und einen Haarriss in ihrem Schneidezahn zu. Dieser bestand aus einer Keramikprothese und musste daraufhin erneuert werden. Die Frau verlangte vom Veranstalter Schadensersatz für den kaputten Zahn, da das Auditorium unzureichend beleuchtet gewesen sei.

Das Urteil des Landgericht Essen

Die Klage blieb ohne Erfolg. Dem Veranstalter sei keine Verkehrssicherungspflichtverletzung vorzuwerfen, so das Landgericht Essen in seinem Urteil (Az. 18 O 270/14). Es hat sich vielmehr eine Gefahr verwirklicht, die dem Risikobereich der Klägerin zuzurechnen ist.

In dem Veranstaltungsort, dem T-Gebäude, waren das Auditorium und das Foyer durch eine Glaswand getrennt. Das Veranstaltungsgebäude ist durch seine besondere Architektur gekennzeichnet; dadurch soll ein barrierefreier Effekt durch den Einsatz von Glaswänden erzeugt werden. Aufgrund der Gestaltung des Gebäudes mit zahlreichen Glaselementen war die Abtrennung zwischen dem Auditorium und dem Foyer auch nicht unerwartet.

Gericht: Klägerin habe mit einer Glaswand rechnen müssen

Die Abtrennung zwischen den beiden Bereichen des Veranstaltungsortes erfolgte auch nicht lediglich nur durch die Glaswand, vielmehr war in der Glaswand auch ein Durchgang erkennbar. Dieser Durchgang bestand nicht ebenfalls aus einer Glastür, sondern aus einer hohen Tür, die sich deutlich von der Glasverkleidung absetzte. Der Türrahmen bestand aus einem anderen Material und hat auch eine andere Farbgebung als die Glaswand. Ferner befand sich oben an dem Türrahmen ein beleuchtetes Notausgangsschild. Diese Gestaltung der Räumlichkeiten und insbesondere der deutlich sichtbare Durchgang zwischen dem Auditorium und dem Foyer sorgen dafür, dass die Beklagte nicht damit rechnen musste, dass ein Teilnehmer der Veranstaltung die Glaswand nicht wahrnimmt und es zu einem Unfall kommt.

Gericht:
Landgericht Essen, Urteil vom 01.06.2015 - 18 O 270/14

Deutsche Anwaltshotline, LG Essen
Rechtsindex - Recht & Urteile

Beitrag teilen:

Information zum Beitag Dieses Urteil wurde am 24. April 2016 eingetragen und wurde 5541 mal gelesen

Neue Urteile

19.02.2017 - Urteil: Alleinige Haftung eines Elfjährigen für Fahrradunfall

Verursacht ein verkehrswidrig fahrender, elfjähriger Radfahrer einen Zusammenstoß mit einer Radfahrerin, bei dem diese erhebliche Verletzungen leidet, kann der Elfjährige für die Unfallfolgen der Radfahrerin allein zu haften haben.
Urteil lesen

18.02.2017 - Reisemangel - Buffet ständig leer, weil andere Gäste sich die Teller überhäufen

Die Kläger buchten eine 14-tägige Pauschalreise in die Türkei. Neben etlichen weiteren Mängeln monierten die Kläger, dass die Speisen im Bereich des Buffets nur äußerst langsam nachgefüllt wurden. Das beruhte darauf, dass russische Staatsangehörige das Büffet regelrecht geplündert hätten.
Urteil lesen

18.02.2017 - Schmerzensgeldanspruch nach einer fehlerhaften Permanent-Make-Up-Behandlung

Die Kundin eines Kosmetikstudios war mit dem Ergebnis einer Permanent-Make-Up-Behandlung nicht zufrieden. Am unteren Lidstrich sei ein weißgelber Farbton entstanden, der entstellend sei. Ferner seien die unteren Lidstriche unterschiedlich dick. Sie fordert ein Schmerzensgeld von mindestens 3000 Euro und den Ersatz aller zukünftigen Schäden.
Urteil lesen

17.02.2017 - "Reichsbürger" klagt auf Unterhalt nach der Haager Landkriegsordnung

Der Kläger hatte gegenüber dem Versorgungsamt Bremen geltend gemacht, das Deutsche Reich bestehe fort. Deutschland sei "besetztes Gebiet" und er selbst sei Kriegsgefangener. Der Kläger verfolgt einen Anspruch auf Zahlung von Unterhalt nach der Haager Landkriegsordnung, konkret nach Kapitel II, Art. 7.
Urteil lesen

16.02.2017 - Urteil Hundesteuer: Sind 1000 Euro für einen gefährlichen Hund überhöht?

Der Kläger ist Halter eines Hundes der Rasse Staffordshire Bullterrier, die vom rhein­land-pfälzischen Gesetzgeber als gefährlich eingestuft wird. Nach der lokalen Hundesteuer­satzung beträgt der Steuersatz für einen Hund 60 € und für einen gefährlichen Hund 1.000 € im Jahr. Mit seiner Klage macht er geltend, dass der Steuersatz überhöht sei.
Urteil lesen

15.02.2017 - Jobcenter: Startkapital von 60.000 Euro für ein Börsentermingeschäft?

Ein langjähriger Hartz-IV-Empfänger begehrte von seinem zuständigen Jobcenter 60.000,00 € Startkapital für die Ausübung eines sog. "Day-Trading mit Index-Futures" als selbständige Tätigkeit. Er meinte, an monatlich 10 Arbeitstagen und einer Erfolgsquote von min. 80 % Einnahmen in Höhe von 6.400,00 € erzielen zu können.
Urteil lesen