Landgericht Duisburg, Urteil vom 7. Januar 2011 - 6 O 75/10

Fitness-Studio: Geräteeinweisung nicht abgewartet

Wer als Neumitglied in einem Fitnessstudio die übliche Einweisung durch eine Fachkraft nicht abwartet und eigenständig ein Geräte-Training aufnimmt, kann im Falle eines Unfalls weder Schmerzensgeld noch Schadensersatzansprüche gegen den Betreiber geltend machen.

Das entschied jetzt das Landgericht Duisburg und wies damit die Klage einer Frau aus Oberhausen ab. Die Interessen des beklagten Fitnessstudios vertritt die Kanzlei Rechtsanwälte Berger (Düsseldorf/Köln).

Der Sachverhalt

Im konkreten Fall hatte die Frau an einem Abend im Oktober 2009 nach 21.00 Uhr gemeinsam mit einer Freundin das Fitnessstudio aufgesucht und sich über eine Mitgliedschaft informiert. Noch am gleichen Abend unterschrieb sie einen Mitgliedsvertrag. Obwohl sie seitens des Studio-Betreibers ausdrücklich darüber informiert worden war, dass sämtliche Neumitglieder zunächst von einem Trainer in die Geräte eingewiesen werden, dies aber am gleichen Tag angesichts der späten Uhrzeit nicht mehr möglich ist, benutzte die Frau ein im Studio befindliches Laufband und ließ sich die Funktionsweise von ihrer Freundin erklären. Nach wenigen Minuten stürzte die Oberhausenerin und zog sich am rechten Bein einen Oberschenkelbruch zu. Ein herbeigerufener Notarzt wies die Frau in ein Krankenhaus ein, wo sie nach einer Operation acht Tage stationär blieb. Anschließend musste sie über Monate hinweg ambulant behandelt werden.

Die Frau verklagte daraufhin den Fitnessstudio-Betreiber auf Schmerzensgeld und wollte außerdem sämtliche ihr entstandenen und noch entstehenden Kosten, unter anderem einen Verdienstausfallschaden, erstattet bekommen. Sie warf dem Studio-Betreiber eine Verletzung seiner vertraglichen Pflichten vor, weil er zuließ, dass sie in Unkenntnis der Funktionsweise der Geräte ohne Einweisung durch einen Trainer und ohne Aufsicht das Laufband benutzen konnte.

Die Entscheidung

Das Gericht sah dies anders und befand, dass die Klägerin vorrangig gegen eigene Schutzinteressen verstoßen habe. Von einem "vernünftigen und umsichtigen" Besucher eines Fitnessstudios könne erwartet werden, dass er auf eine Benutzung von Geräten verzichtet, solange er nicht hinreichend eingewiesen wurde. Insofern könne dem Betreiber auch keine Verletzung von Aufsichtspflichten gegenüber der Klägerin zur Last gelegt werden. Der Betreiber war aus Sicht des Gerichts auch nicht gehalten, der Klägerin die Benutzung des Laufbands ohne vorherige Einweisung durch einen Trainer zu untersagen oder sie vor den Gefahren eines Sturzes gesondert zu warnen. Auch gebe es keine Hinweise darauf, dass sich das Laufband nicht in einem verkehrssicheren Zustand befunden hätte. Das Gericht verwies in dem Urteil zudem auf Aussagen der Klägerin, wonach der Sturz nicht auf die Geschwindigkeit des Laufbandes zurückzuführen sei. Diese sei so niedrig gewesen, dass sie sich während des Laufens in Ruhe mit ihrer Freundin habe unterhalten können. Zum Sturz sei es allein deshalb gekommen, weil sie "den Rhythmus verloren" habe. Vor diesem Hintergrund hielt es der Richter für "mehr als zweifelhaft", dass der Unfall vermieden worden wäre, wenn der Studio-Betreiber die Klägerin in die Bedienung des Gerätes gesondert eingewiesen oder ihr einen Trainer beiseite gestellt hätte. Ob und inwieweit ein solcher Trainer hätte "eingreifen" können, sei nicht ersichtlich.

Gericht:
Landgericht Duisburg, Urteil vom 7. Januar 2011 - 6 O 75/10

Autor:
Berger Rechtsanwälte
Barbarossaplatz 5
40545 Düsseldorf
Tel. 0211/55026310
Internet: www.berger-law.de

Kanzleiinformation:
Die Kanzlei wurde im Jahr 2001 als Sozietät gegründet. Seit 2007 firmiert sie unter dem Namen BERGER Rechtsanwälte.

Wir beraten und vertreten mittelständische Unternehmen. Aufgrund dieser Ausrichtung beträgt unser Mandatsanteil an bundesweit und international operierenden mittelständischen Unternehmen dauerhaft nahezu 90%. Daher ist es für uns selbstverständlich, dass sämtliche Rechtsanwälte neben Deutsch auch die englische Sprache beherrschen und wir unsere Mandanten persönlich im gesamten Bundesgebiet betreuen und vertreten.

Beitrag teilen:

Information zum Beitag Dieses Urteil wurde am 02. Mai 2011 eingetragen und wurde 4445 mal gelesen

Neue Urteile

28.08.2016 - Altersunterschied zu groß - Witwenrente wird gekürzt

Die fast 30 Jahre jüngere Witwe wandte sich mit ihrer Klage gegen die Kürzung ihrer Witwenrente unter anderem mit der Begründung, es liege eine ungerechtfertigte Benachteiligung wegen des Alters im Sinne des AGG vor.
Urteil lesen

28.08.2016 - AGG: Nichteinladung eines Schwerbehinderten zu einem Vorstellungsgespräch

Der mit einem Grad der Behinderung von 50 schwerbehinderte Kläger bewarb sich auf eine ausgeschriebene Stelle der beklagten Stadt. Diese lud den Kläger nicht zu einem Vorstellungsgespräch ein und entschied sich für einen anderen Bewerber. Darin sieht der Kläger eine Diskriminierung und verlangt Entschädigung.
Urteil lesen

26.08.2016 - Altersrente: Zur Beweislast für Zahlung von Rentenbeiträgen

Der Kläger begehrt von der Deutschen Rentenversicherung die Anerkennung einer nicht abgeschlossenen Ausbildung in den Jahren 1969 bis 1972. Leider konnte er keine Unterlagen vorlegen, die beweisen, dass Sozialversicherungsbeiträge abgeführt wurden. Lediglich die Bestätigung über den Abschluss eines Ausbildungsvertrages war vorhanden.
Urteil lesen

26.08.2016 - Anwohner in Münster möchte seinen Müllberg im Garten behalten

Ein Anwohner wehrte sich gegen die Auflage der Stadt, mit der ihm die Lagerung von Müll in seinem Garten untersagt und die Beseitigung des zwei bis drei Meter hohen Müllbergs angeordnet wurde. Dagegen wehrt sich der Anwohner, u.a. mit dem Argument, dass sich noch Gegenstände von Wert im Müll befinden könnten.
Urteil lesen

23.08.2016 - Freibad: Eintrittsrabatt für Einwohner ungerecht- Österreicher klagt bis zum Bundesverfassungsgericht

Ein Österreicher musste in einem Freizeitbad im Berchtesgadener Land den regulären Eintrittspreis entrichten, während den Einwohnern dieser Gemeinden ein Nachlass auf den regulären Eintrittspreis gewährt wurde. Darin sah er eine unzulässige Benachteiligung.
Urteil lesen

22.08.2016 - Kein Gesichtsschleier während des Schulunterrichts

Bereits im April 2016 hat eine Muslima den Aufnahmebescheid zum Abendgymnasium erhalten. Das Abendgymnasium hat jedoch den Aufnahmebescheid widerrufen, weil sich die Antragstellerin als Muslima aus religiösen Gründen verpflichtet sieht, einen gesichtsverhüllenden Schleier während des Unterrichts zu tragen.
Urteil lesen