Der Fall: Das Fahrzeug des Klägers stand mit ausgeschaltetem Motor am rechten Fahrbahnrand eines Parkplatzgeländes, weil die Fahrerin aussteigen wollte. Während sie die Tür öffnete, fuhr der Beklagte mit seinem Pkw vorbei und streifte dabei die geöffnete Fahrertür.

Der Sachverhalt

Das Amtsgericht Ansbach hatte nun über die Klage des Mannes zu entscheiden, der Ersatz für den erlittenen Unfallsachschaden in Höhe von insgesamt 3.013,85 € verlangte.

Um den genauen Unfallhergang sowie die Schadenshöhe zu klären, hat das Gericht ein technisches Sachverständigengutachten erholt. Hierin wurde festgestellt, dass der Beklagte beim Vorbefahren einen Seitenabstand von höchstens 35 cm bis 40 cm eingehalten hatte.

Weiter hat das Gericht die Fahrerin des klägerischen Fahrzeugs als Zeugin vernommen. Diese hatte angegeben, vor dem Öffnen der Türe keinen Schulterblick gemacht zu haben, sondern den rückwärtigen Verkehr lediglich im Spiegel beobachtet zu haben.

Die Entscheidung

Das Amtsgericht Ansbach (Urteil, Az. 4 C 707/17) hat deshalb angenommen, dass beide Pkw eine Mitschuld am Unfall haben und hat dem Kläger nur 50 % seines erlittenen Schadens zugesprochen.

Es hat ausgeführt, dass der Unfall für den Kläger nicht unvermeidbar war, da die Fahrerin durch einen Schulterblick vor dem Öffnen der Tür sich über den rückwärtigen Verkehr hätte vergewissern müssen.

Der Beklagte hingegen sei mit zu geringem Seitenabstand am klägerischen Fahrzeug vorbeigefahren. Beide Verstöße gewichtete das Gericht in seiner Urteilsbegründung gleich schwer. Das Urteil ist rechtskräftig.

Gericht:
Amtsgericht Ansbach, Urteil vom 16.02.2018 - 4 C 707/17

Amtsgericht Ansbach
Rechtsindex - Recht & Urteile

Ähnliche Urteile:

Der Ein- oder Aussteigende muss sich so verhalten, dass eine Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer ausgeschlossen ist. Wer die Fahrertür öffnen will, muss den Verkehrsraum vorher nach hinten durch die Rückspiegel und erforderlichenfalls durch die Fenster beobachten. Urteil lesen

Öffnet der Fahrer eines geparkten Fahrzeugs unachtsam die Autotür in den Verkehrsraum des fließenden Verkehrs hinein, dann begründet das ein erhebliches Verschulden. Was aber, wenn dessen Beifahrer bereits ausgestiegen ist? Muss der Vorbeifahrende besondere Vorsicht walten lassen? Urteil lesen

Kommt ein Einkaufswagen, der vom Fahrer eines PKW neben seinem Kofferraum abgestellt wird, beim Befüllen auf einem abschüssigen Gelände ins Rollen und beschädigt das daneben stehende Fahrzeug, haftet nicht die KFZ-Haftpflichtversicherung. Urteil lesen

Wenn der Fahrer nach links zur Fahrbahn aussteigt, trifft ihn eine besondere Gefahrenminderungspflicht. Dazu gehört auch, dass er die Fahrzeugtür nicht länger als für das Aussteigen unbedingt nötig offen lässt, entschied das Kammergericht Berlin. Urteil lesen

Werbung
Datenschutz Management System