Die Kläger buchten eine 14-tägige Pauschalreise in die Türkei. Neben etlichen weiteren Mängeln monierten die Kläger, dass die Speisen im Bereich des Buffets nur äußerst langsam nachgefüllt wurden. Das beruhte darauf, dass russische Staatsangehörige das Büffet regelrecht geplündert hätten.

Der Sachverhalt

Häufig seien halbleere Salat- oder Fleisch-Gedecke zu erblicken gewesen. Die Russen hätten bei Eröffnung des Buffets bereits vor dem Eingang gewartet. Dann hätten sie sich die Teller vollgeladen, ein paar Mal darin rumgestochert und sich dann einen neuen Teller geholt. Es sei kaum noch etwas für die anderen übrig geblieben.

Sie, die Kläger, hätten manchmal nur einen trockenen Reis gegessen. Das Personal hätte Probleme gehabt, das Büffet aufzufüllen. Es habe immer nur einzelne Bereiche aufgefüllt, aber es hätte dann nie ein komplettes Büffet gegeben. Etliche Fotos würden den Zustand dokumentieren.

Die Entscheidung

Das sehr unzureichend gefüllte Büffet stellt einen (wenn auch weniger gewichtigen) Reisemangel dar, so das Amtsgericht München in seinem Urteil (Az. 274 C 18111/15). Zwar ist es grundsätzlich als bloße Unannehmlichkeit bzw. sogar als allgemeines Lebensrisiko hinzunehmen, dass andere Personen vor einem das Büffet erreichen und man nicht die volle Auswahl vorfindet bzw. warten muss (Vgl. Führich, Reiserecht, 7. Auflage, § 9, Rn. 78 ff.). Im hiesigen Fall waren die Umstände aber besonders, weil das Büffet fast durchweg eine äußerst eingeschränkte Auswahl aufwies.

Diese eingeschränkte Auswahl beruhte darauf, dass sich eine Gruppe russischer Staatsangehöriger zu Beginn des Buffets die Teller übermäßig gefüllt hatte und das Hotelpersonal das Büffet dann nur sehr unzureichend nachgefüllt hat. Für diese Unzulänglichkeit der Verpflegung ist auch wertungsmäßig das Hotelpersonal verantwortlich, das entweder mehr Essen zur Verfügung stellen oder gegen das Fehlverhalten der Gruppe russischer Gäste hätte einschreiten müssen.

Das Gericht hatte neben weiteren Mängeln (Lärm, Ungeziefer) eine Minderung des Reisepreises in Höhe von insgesamt 30% zugesprochen. Es ist davon auszugehen, dass davon ca. 5-10% auf das mangelhafte Buffet entfallen.

Gericht:
Amtsgericht München, Urteil vom 06.04.2016 - 274 C 18111/15

Amtsgericht München
Rechtsindex - Recht & Urteile (ka)
Ähnliche Urteile:

Wer hat es nicht schon im Urlaub erlebt, dass man bei ausbleibendem Trinkgeld nur schleppend bedient oder der Service immer schlechter wird. Wie die Sachlage bei einer All-Inclusive-Reise nach Kuba ist, lesen Sie im nachfolgenden Beitrag. Urteil lesen

Mietminderung von 12 Prozent: Bei starkem Baulärm in der Nachbarschaft können Wohnungsmieter die Miete auch dann mindern, wenn die Wohnung im Innenstadtbereich mit zahlreichen Gewerbebetrieben liegt. Urteil lesen

Sommerliche Hitze kann die Temperaturen in Mieträumen schon mal ungemütlich ansteigen lassen. "In machen Fällen müssen Vermieter sogar mit Mietminderung oder fristloser Kündigung rechnen", erläutert Verena Tiemann von der Quelle Bausparkasse unter Hinweis auf die aktuelle Rechtsprechung. Urteil lesen

Baulärm: In der Regel berechtigen Bauarbeiten aufgrund ihrer Begleiterscheinungen wie Lärm und Schmutz oder gar eingeschränkter Nutzungsmöglichkeit der Wohnung einen Mieter zu einer Mietminderung. Dabei ist es unerheblich, ob der Vermieter rechtlich oder tatsächlich etwas gegen die Beeinträchtigung unternehmen kann oder nicht - sagt Jörg Hofmann von der Quelle Bausparkasse. Urteil lesen

Werbung
Datenschutz Management System