Das Amtsgericht Nürnberg hatte sich in einem Urteil damit zu befassen, welcher Sachvortrag erforderlich ist, wenn man einen Sachmangel im Hinblick auf maßgefertigte Schuhe geltend machen möchte.

Der Sachverhalt

Der Kläger ließ sich im Juni 2016 Maßschuhe anfertigen. Hintergrund war, dass der Kläger aus orthopädischen Gründen ein spezielles Schuhwerk tragen muss. Der Kläger ist Pfarrer und benötigt elegante Schuhe, welche er auch zu seiner Soutane tragen kann.

Der Beklagte fertigte im Auftrag des Klägers, der das Rezept eines Orthopäden vorgelegt hatte, die Maßschuhe. Diese wurden dem Kläger ausgehändigt, welcher den Kaufpreis von insgesamt 1.690,96 € bezahlte. Der Kläger ist der Auffassung, dass die Schuhe mangelhaft sind. Die Schuhe hätten eine ungenügende Passform, seine Füße würden nach längerem Tragen schmerzen zudem habe er das Gefühl, dass er in den Schuhen „schwimme“.

Der Beklagte ist hingegen der Meinung, dass die Schuhe mangelfrei seien. Er habe genau Maß genommen und die Schuhe auf die orthopädischen Bedürfnisse des Klägers hin gefertigt. Zudem müsse der Kläger die Schuhe erst einlaufen, da er ausdrücklich ein härteres Leder gewünscht habe.

Der Kläger erhob Klage zum Amtsgericht Nürnberg und verlangte dort die Rückzahlung des Kaufpreises.

Die Entscheidung

Das Amtsgericht Nürnberg (Urteil, Az. 239 C 3934/17) hat die Klage abgewiesen. Aus Sicht des Gerichts hat der Kläger den Mangel unzureichend dargelegt. Der Kläger habe auf die Frage, ob er die Schuhe denn eingelaufen habe, keine hinreichende Antwort geben können.

Es sei offen geblieben, ob er die Schuhe für nur einige Stunden oder an mehreren Tagen getragen habe und welche Strecke er damit zurückgelegt habe. Der Kläger ist nach Ansicht des Gerichts darlegungspflichtig für den Mangel und muss diesen daher präzise beschreiben und auch Angaben dazu machen, ob er die Schuhe hinreichend eingelaufen hat. Das Urteil ist rechtskräftig.

Gericht:
Amtsgericht Nürnberg, Urteil vom 14.11.2017 - 239 C 3934/17

AG Nürnberg, PM 03/2018
Rechtsindex - Recht & Urteile

Ähnliche Urteile:

Weichen die Verbrauchswerte eines Neuwagens um weniger als 10% von der Herstellerangabe ab, stellt dies nur eine unerhebliche Pflichtverletzung dar und berechtigt nicht zum Rücktritt vom Kaufvertrag. Kohlendioxidemission ist neben erhöhtem Kraftstoffverbrauch kein gesonderter Fahrzeugmangel. Urteil lesen

Der BGH hat sich in seinem Urteil mit der Wirksamkeit einer Klausel in Allgemeinen Geschäftsbedingungen für den Verkauf gebrauchter Kraftfahrzeuge und Anhänger befasst, die für Ansprüche des Käufers wegen Sachmängeln ausnahmslos eine lediglich einjährige Verjährungsfrist vorsah. Urteil lesen

Nach Urteil des LG Coburg, kann der Käufer eines kranken Pferdes, deren Symptome sich innerhalb von sechs Monaten zeigen, den Kauf auch ohne ein Verschulden des Verkäufers rückabwickeln. Wenn der Käufer daneben auch Schadenersatz möchte, muss ein Verschulden des Verkäufers vorliegen. Urteil lesen

Autokauf - Zeigt die Elektronik eines Neuwagens wahrheitswidrig ständig einen zu niedrigen Stand der Bremsflüssigkeit an, handelt es sich dabei um keine Bagatelle, sondern um einen erheblichen Mangel. Urteil lesen

Werbung
Datenschutz Management System