Der Veranstalter einer Treibjagd muss die angrenzenden Grundstückeigentümer nicht ohne Anlaß über eine bevorstehende Jagd unterrichten, so das Urteil des OLG Hamm. Die Pferde des Nachbarns gerieten durch Schussgeräusche in Panik und verletzten sich erheblich.

Das hat das Oberlandesgericht Hamm mit Urteil entschieden und damit die klageabweisende, erstinstanzliche Entscheidung des Landgerichts Münster bestätigt. Schussgeräusche gehören für sich genommen zu einer waldtypischen Geräuschkulisse und seien insoweit als Lärmbeeinträchtigungen hinzunehmen.

Der Sachverhalt zum Urteil

Der Kläger aus Hamm hielt auf in der Nähe von Ahlen gepachteten Weideflächen mehrere Pferde. Er hat vom beklagten Arzt aus Ahlen Schadensersatz aus Anlass einer Treibjagd verlangt. Diese Jagd hatte der Beklagte in einem von den gepachteten Weideflächen ca. 100 m entfernt liegenden Waldgebiet veranstaltet.

Durch Schussgeräusche gerieten Pferde in Panik

Nach der Behauptung des Klägers soll das Jagdgeschehen -insbesondere durch die von ihm ausgehenden Schussgeräusche- drei seiner Pferde auf der Weide in Panik versetzt haben. Hierdurch hätten sich die Tiere erhebliche Verletzungen zugezogen, eines habe notgetötet werden müssen. Für den hierdurch entstandenen Schaden in Höhe von ca. 23.500 € habe der Beklagte, so der Kläger, aufzukommen, weil weder er noch der Grundstückeigentümer von der bevorstehenden Jagd unterrichtet worden seien. Insoweit habe der Beklagte ihm obliegende Verkehrssicherungspflichten verletzt.

Das Urteil des Oberlandesgerichts Hamm

Das Oberlandesgericht Hamm hat sich der Auffassung des Klägers nicht angeschlossen und die Klage als unbegründet abgewiesen. Als Veranstalter der Jagd sei der Beklagte zwar grundsätzlich verpflichtet, die notwendigen und zumutbaren Vorkehrungen zu schaffen, um eine Schädigung anderer durch das Jagdgeschehen zu verhindern. Der Beklagte sei deswegen aber nicht verpflichtet gewesen, den Kläger als anliegenden Pächter über die bevorstehende Treibjagd zu unterrichten.

Urteil: Schussgeräusche gehören zu einer waldtypischen Geräuschkulisse

Auf die mit einer Jagd verbundenen Schussgeräusche habe nicht hingewiesen werden müssen. Schussgeräusche gehörten für sich genommen zu einer waldtypischen Geräuschkulisse und seien insoweit als Lärmbeeinträchtigungen hinzunehmen. Sie seien nur unter besonderen Umständen schadensträchtig, etwa wenn ein Schuss in unmittelbarer Nähe eines Reiters abgegeben werde. Derartige Umstände seien im vorliegenden Fall nicht feststellbar. Die vom Kläger gepachtete Weide habe außerhalb des bejagten Waldgebietes gelegen, ohne unmittelbar an dieses anzugrenzen.

Urteil: Vom Jagdkonzept abweichendes Verhalten der Teilnehmer - Beklagter nicht einstandspflichtig

Nach dem Jagdkonzept des Beklagten hätten auch keine Schüsse in unmittelbarer Nähe der Pferde abgegeben werden sollen. Selbst wenn sich einzelne Jagdteilnehmer hieran nicht gehalten hätten, was der Kläger bereits nicht dargelegt habe, sei der Beklagte für ein solches vom Jagdkonzept abweichendes Verhalten nicht einstandspflichtig, weil es für ihn nicht vorhersehbar gewesen sei. Das Urteil ist nicht rechtskräftig (BGH VI ZR 91/13).

Gericht:
Oberlandesgericht Hamm, Urteil vom 15.01.2013 - I-9 U 84/12

22.03.2013, OLG Hamm
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