Nach Urteil des SG Karlsruhe werden mit einem Zeitanteil von nur rund 20% je Arbeitsschicht, in der meniskusbelastende Arbeitshaltungen eingenommen werden, nicht die arbeitstechnischen Voraussetzungen zur Anerkennung einer Berufskrankheit erfüllt.

Der Sachverhalt

Aus der Entscheidung des SG Karlsruhe geht hervor, dass der 1967 geborene Kläger ab Mitte 1987 eine Lehre als Fliesenleger absolvierte. Anschließend arbeitete er bis Januar 2001 als Fliesenlegergeselle im väterlichen Betrieb, den er sodann als selbstständiger Unternehmer fortführte.

Nach den Feststellungen des Präventionsdienstes der beklagten Berufsgenossenschaft (BG) hatte der Kläger im Rahmen dieser Tätigkeiten etwa 1,8 Stunden je Arbeitsschicht meniskusbelastende Körperhaltungen eingenommen. Die Gesamtstundenzahl kniebelastender Tätigkeiten habe 18.850 Stunden bei durchschnittlich 4,3 Stunden je Arbeitsschicht betragen.

Wegen Knieproblemen stellte der Kläger seine "praktische Arbeit" ab Januar 2008 ein. In diesem Jahr unterzog er sich mehrerer operativer Eingriffe am linken Kniegelenk. Knorpel- und Meniskusschäden am rechten Kniegelenk bestanden seit 2000. Seinen Antrag, eine Meniskuserkrankung und eine Kniegelenksarthrose des linken Kniegelenks jeweils als Berufskrankheit (BK) anzuerkennen, lehnte die BG ab. Es wurde Klage vor dem SG Karlsruhe erhoben.

Die Entscheidung

Die Klage wurde abgeweisen. Voraussetzung für die Feststellung von Gesundheitsstörungen als Folge einer Berufskrankheit sei, dass der Versicherte sowohl die jeweiligen arbeitstechnischen als auch die medizinischen Voraussetzungen erfülle.

Urteil zu Meniskusschaden: Arbeitstechnischen Voraussetzung nicht erfüllt

Eine Meniskuserkrankung (BK Nr. 2102) setze voraus, dass der Versicherte während eines wesentlichen Teils seiner täglichen Arbeitszeit meniskusbelastende Arbeitshaltungen eingenommen habe. Sei diese zeitliche Belastung geringer als ein Drittel der jeweiligen Arbeitsschicht, hätten die Menisken ausreichend Zeit, sich zu erholen. Mit einem Zeitanteil von nur rund 20% je Arbeitsschicht erfülle der Kläger diese arbeitstechnischen Voraussetzungen nicht.

Urteil zu Knorpelschaden: Medizinischen Voraussetzungen nicht erfüllt

In Bezug auf die Kniegelenksarthose (BK Nr. 2112) seien zwar die arbeitstechnischen, nicht aber die medizinischen Voraussetzungen gegeben. Denn bei einer - wie hier - beidseitigen Gelenksbelastung sei nach medizinisch-wissenschaftlichen Erkenntnissen zu erwarten, dass das Ausmaß einer Gelenksarthrose weitgehend symmetrisch verlaufe, weil beide Knie in vergleichbarem Ausmaß belastet seien. Übersteige - wie im Fall des Klägers - der Seitenunterschied der Kniegelenksarthrosen einen Kellgren-Grad, sei der ursächliche Zusammenhang der Kniegelenksarthrose mit beruflichen Belastungen nicht wahrscheinlich zu machen.

Gericht:
Sozialgericht Karlsruhe, Urteil vom 12.12.2013 - S 1 U 225/13

SG Karlsruhe
Rechtsindex - Recht & Urteile
Ähnliche Urteile:

Bei der Nahrungsaufnahme handelt es sich grundsätzlich um eine eigenwirtschaftliche, d.h. private, nicht unfallversicherte Tätigkeit, da Essen und Trinken unabhängig von der versicherten Tätigkeit erforderlich ist. Urteil lesen

Die Vorstufe durch Sonneneinstrahlung verursachter bösartiger Veränderungen der Haut (sog. aktinische Keratosen) sind als Berufskrankheit anzuerkennen, so das Urteil des Sozialgerichts Aachen. Urteil lesen

Eine Infektion der Bandscheibe und der angrenzenden Wirbelkörper (Spondylodiszitis) kann nicht allein aufgrund der Tätigkeit eines Bestatters bei diesem als Berufskrankheit anerkannt werden. Urteil lesen

Es ist keine Unterbrechung des versicherten Heimwegs, wenn die Versicherte bei dem Versuch, ihren zunächst vor der Garage abgestellten, dann aber zurückrollenden Pkw aufzuhalten, um ihn anschließend in die Garage zu fahren, verletzt wird. Urteil lesen

Werbung
Datenschutz Management System