Das Oberlandesgericht Karlsruhe hat durch Urteil entschieden, dass die von einem Glockenturm ausgehenden Geräuschimmissionen von nur zwei Mal am Tag und für jeweils zweieinhalb Minuten unwesentlich seien und daher zu dulden sind.

Der Sachverhalt

Im Ortsteil Maleck der Stadt Emmendingen hat das Glockengeläut der Gemeinde eine seit Jahrzehnten bestehende Tradition. Werktags schlägt die Glocke um 11 Uhr und um 19 Uhr. Zudem wird einmal im Monat sonntags und an Weihnachten nachmittags zum Gottesdienst geläutet. 

Als Ersatz für eine Glocke auf dem früheren Rathaus des Dorfs Maleck errichtete die Stadt Emmendingen nach einer Baugenehmigung vom November 2014 auf dem Grundstück des Gemeindehauses des Ortsteils Maleck einen freistehenden, offenen Glockenturm.

Die Kläger sind Eigentümer eines unmittelbar angrenzenden Nachbargrundstückes und haben mit ihrer vor dem Landgericht Freiburg im Breisgau erhobenen Klage von der beklagten Stadt Emmendingen verlangt, die Lautstärke des Glockengeläuts so zu reduzieren, dass dem Grundstück der Kläger Geräusche von nicht mehr als 60 dB (A), bezogen auf den allgemein gültigen Beurteilungspegel, zugeführt werden. 

Das Landgericht Freiburg im Breisgau hat die Klage nach Einholung eines schalltechnischen Gutachtens abgewiesen. Hiergegen haben sich die Kläger mit ihrer Berufung gerichtet.

Die Entscheidung

Der 4. Zivilsenat des Oberlandesgerichts Karlsruhe in Freiburg hat die Entscheidung des Landgerichts bestätigt und die Berufung der Kläger zurückgewiesen. Zur Begründung hat der Senat ausgeführt, die von dem Glockenturm ausgehenden Geräuschimmissionen von nur zwei Mal am Tag und für jeweils nur zweieinhalb Minuten seien unwesentlich und daher zu dulden.

Nach den Messungen des Sachverständigen überschreite das Glockengeläut zwar den nach den Grenzwerten der TA Lärm in einem Dorfgebiet zulässigen Beurteilungspegel, nicht dagegen den in einem Dorfgebiet zulässigen Spitzenpegel. Letzterer sei bei der Beurteilung von Glockengeläut ausschlaggebend.

Der Senat habe sich bei einem durchgeführten Ortstermin auch selbst davon überzeugt, dass die Beeinträchtigungen auf dem Grundstück der Kläger hinnehmbar seien. Sie stellten sich unter Berücksichtigung sämtlicher Umstände als zumutbar dar.

Auch das Läuten der Glocke einmal im Monat am Sonntag zum Gottesdienst für insgesamt bis zu 12 Minuten (2 mal 5 Minuten und 1 mal 2 Minuten) und an Weihnachten nachmittags zum Gottesdienst beeinträchtige das Grundstück der Kläger nicht wesentlich und sei zu dulden. 

Gericht:
Oberlandesgericht Karlsruhe, Urteil vom 03.08.2018 - 4 U 17/18

OLG Karlsruhe, PM
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