Der für das Bankrecht zuständige XI. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat sich aktuell in einer Entscheidung mit den Folgen des Widerrufs eines Darlehensvertrages zur Finanzierung einer Immobilie geäußert.

Der für das Bankrecht zuständige XI. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat sich aktuell in einer Entscheidung mit den Folgen des Widerrufs eines Darlehensvertrages zur Finanzierung einer Immobilie geäußert. In dem Beschluss vom 22.09.2015 – XI ZR 116/15 führt der Bundesgerichtshof aus, dass die Bank dem Darlehensnehmer die Herausgabe bereits erbrachter Zins-und Tilgungsleistungen sowie die Herausgabe von Nutzungsersatz wegen der vermuteten Nutzung in Höhe von 5 Prozentpunkten über dem Basiszinssatz der bis zum Wirksamwerden des Widerrufs erbrachten Zins- und Tilgungsleistungen schuldet. Der Darlehensnehmer schuldet dem Darlehensgeber dagegen lediglich die Herausgabe der Darlehensvaluta und die Herausgabe von Wertersatz für Gebrauchsvorteile am jeweils tatsächlich überlassenen Teil der Darlehensvaluta.

Bundesgerichtshof stärkt Ansprüche von Verbrauchern

Damit hat der Bundesgerichtshof alle Versuche der Bankenseite, zulasten der Verbraucher zu argumentieren, eine klare Absage erteilt. Dieser Beschluss reiht sich in eine Vielzahl von aus Verbrauchersicht positiven Entscheidungen des Bundesgerichtshofs ein. Insbesondere wurde durch diese Entscheidung somit einer der zurzeit am häufigsten diskutierten Streitpunkte im Rahmen des Widerrufs eines Verbraucherdarlehensvertrages zu Gunsten der Verbraucher geklärt.

Bundesrat: Ende des ewigen Widerrufsrechts für alle Verbraucherdarlehensverträge!

Für Verbraucher ist die Rechtsprechung der Gerichte somit günstig. Weniger erfreulich ist allerdings die Nachricht, dass die Bundesregierung im Rahmen des Entwurfes eines Gesetzes zur Umsetzung der Wohnimmobilienkreditrichtlinie bei nach dem 20. März 2016 geschlossenen Immobiliar-Verbraucherdarlehen das bislang bestehende Widerrufsrecht zeitlich begrenzen will. Demnach soll bei unterbliebener oder nicht ordnungsgemäßer Belehrung die Widerrufsfrist grundsätzlich auf maximal zwölf Monate und 14 Tage nach Vertragsschluss beschränkt werden.

Der Bundesrat will darüber hinaus, dass diese Regelung auch für vor diesem Stichtag geschlossene Altverträge gelten soll. So hat der Bundesrat (BR-Drs. 359/1/15) in der 936. Sitzung des Bundesrates am 25. September 2015 die Bundesregierung darum gebeten, die gesetzliche Ausschlussfrist des Widerrufsrechtes auch auf bereits vor dem 21. März 2016 geschlossene Immobiliar-Verbraucherdarlehen auszudehnen.

Fazit

Sollte die Gesetzesänderung beschlossen werden, hätten Darlehensnehmer nach Inkrafttreten nur noch zwölf Monate und 14 Tage Zeit, alte Darlehensverträge aus den letzten Jahren zu widerrufen. Für Banken wäre endlich ein Ende der Klageflut von Verbrauchern, die in den Genuss der derzeit günstigen Zinskonditionen kommen wollen, absehbar.

Gericht:
Bundesgerichtshof, Beschluss vom 22.09.2015 - XI ZR 116/15

Autor: Rechtsanwalt Christopher Kress


Rechtsanwälte Aslanidis, Kress & Häcker-Hollmann
Partnerschaftsgesellschaft mbB
RA Andreas Frank (Pressesprecher)
Freihofstrasse 6
73730 Esslingen
Tel.: (0711) 9 30 81 10
Fax: (0711) 36 84 38
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Unsere Kanzlei für Bankrecht und Kapitalmarktrecht - seit 20 Jahren im Dienste des Verbrauchers

Seit der Gründung im Jahre 1995 hat sich unsere Rechtsanwaltskanzlei im Bereich Kapitalanlagerecht und Bankenrecht spezialisiert. Wir haben an zahlreichen positiven obergerichtliche Urteilen auf dem Gebiet des Kapitalanlagerecht und Bankenrecht mitgewirkt. Wir vertreten seit nunmehr 20 Jahren geschädigte Kapitalanleger aus dem gesamten Bundesgebiet und sind ausschließlich auf Verbraucherseite tätig. Unsere Kanzlei organisiert regelmäßig Informationsveranstaltungen zu diversen Kapitalanlagen und klärt Kapitalanleger über ihre Rechte als Verbraucher auf.
Ähnliche Urteile:

Darlehen an Empfänger der Grundsicherung für Arbeitsuchende werden nicht als Einkommen angerechnet. Dies entschied das Sozialgericht Dortmund im Falle eines Langzeitarbeitslosen, der von einem Neffen monatlich 200,- Euro geliehen bekam und hiervon seine Miete bestritt. Urteil lesen

Kreditvergabe - Das OLG Düsseldorf hat auf eine Klage der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen e. V. entschieden, dass eine Volksbank bei der Vergabe von Krediten an Privatkunden in ihren AGB keine Schätz- oder Besichtigungsgebühr erheben darf. Urteil lesen

Darlehensforderungen - Der für das Bank- und Börsenrecht zuständige XI. Zivilsenat des Bundesgerichtshofes hatte über die Wirksamkeit der Abtretung einer Darlehensforderung durch eine als Anstalt des öffentlichen Rechts organisierte Sparkasse zu entscheiden. Urteil lesen

Gewähren neue Mitglieder ihrem Golfclub bei ihrem Eintritt ein Darlehen muss der Golfclub bei deren Ausscheiden das Darlehen zurückzahlen. Er darf die Zahlung nicht mit der Begründung verweigern, dass keine Warteliste von weiteren Interessenten bestehe. Urteil lesen

Werbung
Datenschutz Management System