Landgericht Osnabrück

Urteil: Zur Rede stellen endet in sexueller und körperlicher Misshandlung

Zwei Brüder wollten ihren Schwager zur Rede stellen, weil er ihre Schwester misshandelt und vergewaltigt habe. Der Schwager zeigte keine Einsicht und drohte damit, die Familienehre zu beschmutzen. Die Situation eskalierte und endete in einer schweren sexuellen und körperlichen Misshandlung des Schwagers. Die Brüder wurden nun verurteilt.

Der Sachverhalt

Das Tatopfer war nach islamischem Recht mit der Schwester der beiden Angeklagten verheiratet. Nach durchgeführter Beweisaufnahme sah es die Kammer als erwiesen an, dass die Schwester von dem späteren Opfer misshandelt und vergewaltigt worden war.

Anlässlich einer Zusammenkunft in der Wohnung des Opfers hätten die Angeklagten, von denen einer mit der Schwester und dem Schwager in der Wohnung zusammengelebt habe, beschlossen, den Schwager zur Rede zu stellen. Als der Schwager daraufhin die - nicht anwesende - Schwester der Angeklagten als Hure beschimpft und gedroht habe, die Familienehre zu beschmutzen, indem er Nacktfotos von seiner Frau in das Internet stellen würde, sei es zunächst zu einem Gerangel gekommen, in dessen Rahmen der Schwager einen der Angeklagten mit einer Schere an der Hand verletzt habe.

Nachdem das wehrhafte Opfer mit Faustschlägen zu Boden gebracht worden sei, habe sich einer der Angeklagten auf den Mann gesetzt und ihn am Boden fixiert. Zur Demütigung hätten die Angeklagten dem Mann dann zunächst die Haare im Stirnbereich geschnitten. Die davon mit einer Handykamera gefertigten Videoaufnahmen hätten als Druckmittel dafür dienen sollen, dass der Schwager die Aufnahmen von seiner Frau nicht veröffentlichte.

Sodann hätten sich die Angeklagten - einhergehend mit der an ihren Schwager gerichteten Frage, wo sein Telefon sei, auf dem die Angeklagten die Nacktaufnahmen ihrer Schwester vermuteten - entschlossen, ihn weiter dadurch zu demütigen, dass sie ihm die Hose heruntergezogen und ihn mit einer Mohrrübe rektal penetrierten.

Im Anschluss daran habe man den Mann veranlasst, die Schuhe der Angeklagten zu küssen und ihm mit einem Badelatschen ins Gesicht geschlagen. Etwas später habe einer der Angeklagten im Einvernehmen mit seinem Bruder dem Opfer noch zwei Schläge mit einem Holzstock gegen den Kopf versetzt, die zu Risswunden geführt hätten. Das gesamte Vorgehen sei mit der Handykamera aufgezeichnet worden.

Die Entscheidung

Die Staatsanwaltschaft hatte den Angeklagten in der Anklageschrift u.a. die Begehung eines versuchten Totschlags vorgeworfen. Die Kammer vermochte jedoch nicht festzustellen, dass die Angeklagten mit Tötungsvorsatz gehandelt haben, zumal nicht habe ermittelt werden können, mit welcher Wucht die Stockschläge gegen den Kopf des Opfers geführt worden seien.

Die beiden 35 und 32 Jahre alten Angeklagten wurden wegen schwerer Vergewaltigung bzw. wegen schwerer sexueller Nötigung, jeweils in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung und versuchter Nötigung zu Freiheitsstrafen von 5 Jahren und 6 Monaten bzw. von 4 Jahren verurteilt. Das verkündete Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Gericht:
Landgericht Osnabrück, Urteil vom 24.01.2017

LG Osnabrück
Rechtsindex - Recht & Urteile

Beitrag teilen:

Information zum Beitag Dieses Urteil wurde am 29. Januar 2017 eingetragen und wurde 5412 mal gelesen

Neue Urteile

26.02.2017 - Urteil: Reisemangel wegen Dreharbeiten auf einem Kreuzfahrtschiff?

Ein älteres Ehepaar hatte eine Reise auf einem Kreuzfahrtschiff gebucht und forderte eine Reisepreisminderung, weil einige Schiffsbereiche als Drehort für die Fernsehserie "Das Traumschiff" genutzt wurden. Das Amtsgericht Bonn sprach dem Ehepaar 20% Minderung zu. Das Landgericht Bonn hat nun anders entschieden.
Urteil lesen

26.02.2017 - Unfallort Waschstraße - wer haftet, wenn es kracht?

In Waschstraßen werden die Kfz auf einem Förderband transportiert. Hier kann es schnell zu Unfällen kommen. In solchen Fällen stellt sich daher die Frage, wer haften muss: der Betreiber der Waschstraße, der Auffahrende oder sein Vordermann?
Urteil lesen

25.02.2017 - Notfalleinsatz: Sind 1 Minute Verzögerung unbedeutend?

Im vorliegenden Fall beanstandete eine Rettungswache, dass die an ihrem Grundstück angrenzende Straße beidseitig beparkt werden dürfe und dies zu Behinderungen bei Notfalleinätzen führe. Damit käme es zu Verzögerungen von bis zu 60 Sekunden. Das Bezirksamt lehnte Maßnahmen ab, weil die Verzögerungen nur unwesentlich seien. Zu Recht?
Urteil lesen

19.02.2017 - Urteil: Alleinige Haftung eines Elfjährigen für Fahrradunfall

Verursacht ein verkehrswidrig fahrender, elfjähriger Radfahrer einen Zusammenstoß mit einer Radfahrerin, bei dem diese erhebliche Verletzungen leidet, kann der Elfjährige für die Unfallfolgen der Radfahrerin allein zu haften haben.
Urteil lesen

18.02.2017 - Reisemangel - Buffet ständig leer, weil andere Gäste sich die Teller überhäufen

Die Kläger buchten eine 14-tägige Pauschalreise in die Türkei. Neben etlichen weiteren Mängeln monierten die Kläger, dass die Speisen im Bereich des Buffets nur äußerst langsam nachgefüllt wurden. Das beruhte darauf, dass russische Staatsangehörige das Büffet regelrecht geplündert hätten.
Urteil lesen

18.02.2017 - Schmerzensgeldanspruch nach einer fehlerhaften Permanent-Make-Up-Behandlung

Die Kundin eines Kosmetikstudios war mit dem Ergebnis einer Permanent-Make-Up-Behandlung nicht zufrieden. Am unteren Lidstrich sei ein weißgelber Farbton entstanden, der entstellend sei. Ferner seien die unteren Lidstriche unterschiedlich dick. Sie fordert ein Schmerzensgeld von mindestens 3000 Euro und den Ersatz aller zukünftigen Schäden.
Urteil lesen