Landgericht Osnabrück

Gefährliche Körperverletzung: Chef schießt ehemaligem Mitarbeiter in den Oberschenkel

In dem Strafverfahren wegen versuchten Mordes in Osnabrück hat die Schwurgerichtskammer des Landgerichts Osnabrück ihr Urteil verkündet. Der 36-jährige Angeklagte wurde wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von 3 Jahren und 6 Monaten verurteilt.

Ferner hat er an den geschädigten Adhäsionskläger ein Schmerzensgeld in Höhe von 10.000,00 € sowie Schadensersatz in Höhe von 18,28 € zu zahlen. Überdies hat die Kammer festgestellt, dass der Angeklagte verpflichtet ist, dem Geschädigten allen weiteren materiellen und immateriellen Schaden aus der Verletzungshandlung zu erstatten.

Was war passiert?

Hintergrund der Tat war, dass der Geschädigte, der als Eisenflechter für den Betrieb des Angeklagten gearbeitet und diesem Aufträge vermittelt hatte, nach den Vorstellungen des finanziell angeschlagenen Angeklagten über Unterlagen verfügte, die der Angeklagte benötigte, um Forderungen seiner Firma gegen eine Auftraggeberin zu realisieren.

Das Schwurgericht ist nach durchgeführter Beweisaufnahme zu der Überzeugung gelangt, dass der Angeklagte seinem ehemaligen Mitarbeiter vor dessen Wohnung in Osnabrück mit einer mitgeführten Schusswaffe des Kalibers 7,65 mm Browning im Rahmen eines Handgemenges zweimal in den linken Oberschenkel geschossen hat. Als der Geschädigte daraufhin zu Boden gegangen sei, habe der Angeklagte ihm mit der Pistole auf den Kopf geschlagen.

Die Erwägungen der Kammer

Bei der bewussten Abgabe der drei Schüsse, von denen lediglich zwei trafen, habe der Angeklagte eine Verletzung des Geschädigten an den unteren Extremitäten billigend in Kauf genommen.

Einen Tötungsvorsatz, wie in der Anklageschrift vorgeworfen, vermochte die Kammer nicht festzustellen. Insbesondere lägen keine Anhaltspunkte dafür vor, dass der Angeklagte die Waffe eingesteckt habe, um tatsächlich auf den Geschädigten zu schießen. Die Kammer geht vielmehr davon aus, dass der Angeklagte die Waffe mit sich geführt habe, um seinen ehemaligen Mitarbeiter zu bedrohen und möglicherweise dazu zu bewegen, die Abrechnungs­unterlagen an ihn herauszugeben.

Ob der Angeklagte und sein Opfer am Tattag zur Übergabe dieser Unterlagen verabredet waren oder ob der Angeklagte dem Geschädigten vor dessen Haus „aufgelauert" hatte, vermochte die Kammer nicht festzustellen.Ob der Angeklagte und sein Opfer am Tattag zur Übergabe dieser Unterlagen verabredet waren oder ob der Angeklagte dem Geschädigten vor dessen Haus "aufgelauert" hatte, vermochte die Kammer nicht festzustellen.

Das Urteil ist nicht rechtkräftig. Der Verteidiger des Angeklagten hat nach der Urteilsverkündung bereits angekündigt, für seinen Mandanten Revision gegen das Urteil einlegen zu wollen. Dann müsste der Bundesgerichtshof in Karlsruhe das Urteil auf etwaige Rechtsfehler überprüfen.

Gericht:
Landgericht Osnabrück, Urteil vom 07.12.2015

LG Osnabrück, PM 64/15
Rechtsindex - Recht & Urteile

Beitrag teilen:

Information zum Beitag Dieses Urteil wurde am 07. Dezember 2015 eingetragen und wurde 3800 mal gelesen

Neue Urteile

23.07.2016 - Kita-Streik - Muss trotzdem der volle Kita-Beitrag bezahlt werden?

Müssen Eltern, deren Kinder eine Kindertagesstätte besuchen, auch dann den vollen Kita-Beitrag zahlen, wenn durch einen Streik die Kita vorübergehend geschlossen bleibt? Über diese Frage hat das Verwaltungsgericht Neustadt entschieden.
Urteil lesen

23.07.2016 - Stress in der S-Bahn: Beleidigung, Körperverletzung und Sachbeschädigung

Ein 39-Jähriger beleidigte in der S-Bahn zwei junge Frauen, indem er sie als Schlampen bezeichnete und fortwährend belästigte. Ein Fahrgast mischte sich ein und es kam zum laustarken Streit. Der 39-Jährige schlug um sich und trat aus Wut eine Trennscheibe ein. Das Amtsgericht München hat den Mann nun verurteilt.
Urteil lesen

21.07.2016 - Fetisch vs. Tierschutz - Hundekot für den Eigenbedarf

Bei Tierschutzrechtlichen Kontrollen wurden in den Räumen des Klägers massive Verschmutzungen durch Hundekot und - urin festgestellt, u.a wurde der Hundekot in Plastiktüten, Eimern und Badewannen gesammelt. Der Kläger brachte vor, er benötige den von ihm gesammelten Hundekot als Fetisch zur sexuellen Stimulation.
Urteil lesen

17.07.2016 - Urteil: Wer hat das Sagen - Jobcenter oder Sozialgericht?

Im nachfolgenden Klageverfahren lehnte es das Jobcenter gegenüber dem Sozialgericht ab zu erläutern, weshalb es ungeachtet der Vorlage von Einkommensnachweisen zunächst nur vorläufig Leistungen bewilligt hatte und verwies darauf, diesbezügliche gerichtliche Fragen seien "nicht entscheidungserheblich".
Urteil lesen

17.07.2016 - Beamter erkrankt durch Tonerstaub auf den Schriftstücken - Anerkennung als Dienstunfall?

Ein Finanzbeamter machte geltend, durch Tonerstaub aus Laserdruckern an einer Kontaktdermatitis erkrankt zu sein. Der Tonerstaub befinde sich sowohl in der Raumluft der Finanzämter als auch auf den dort zu bearbeitenden Schriftstücken. Die Oberfinanzdirektion lehnte eine Aner­kennung der Erkrankung als Dienstunfall ab. Zu Recht?
Urteil lesen

17.07.2016 - Ersatzkauf wegen fehlenden Reisegepäcks: Muss Reiseveranstalter zahlen?

Sommerzeit ist Ferienzeit - das bedeutet nicht nur Entspannung und Erholung, sondern oftmals auch Stress. Selbst bei Pauschalreisen kann schließlich so einiges schiefgehen, z. B. wenn man am Urlaubsort plötzlich ohne Gepäck dasteht und deswegen Ersatzkäufe tätigen muss.
Urteil lesen