Landgericht Mainz

Schwurgericht: Kein versuchter Totschlag

Das Schwurgericht des Landgerichts Mainz hat die Unterbringung einer 47-Jährigen in einer geschlossenen Abteilung einer psychiatrischen Klinik angeordnet, da sie aufgrund ihrer Erkrankung (paranoide Schizophrenie) ihren Ehemann mit fünf Messerstichen schwer verletzt hatte.

Was war geschehen?

Am Vormittag des 26. November 2011 attackierte die Angeklagte ihren Ehemann in der gemeinsamen Wohnung in Schwabenheim mit einem Küchenmesser. Die Angeklagte war zum Zeitpunkt der Tat krankheitsbedingt davon überzeugt, ihr Ehemann würde sie betrügen und ihr heimlich Drogen verabreichen.

Sie stach insgesamt fünfmal auf ihren Ehemann ein und traf dabei u.a. seine rechte Brust, wodurch er zu Boden sackte. Die Angeklagte ging aufgrund dessen davon aus, ihren Ehemann tödlich verletzt zu haben. Nachdem sie jedoch bemerkte, dass ihr Mann noch lebt, begann sie, eine Mund-zu-Mund-Beatmung durchzuführen. Sie verständigte zudem die Polizei, weswegen der Ehemann notoperiert und gerettet werden konnte.

Kammer des Landgerichts Mainz

Die Kammer des Landgerichts Mainz kam zu der Auffassung, dass die Angeklagte zwar versucht habe, ihren Ehemann mit den Messerstichen zu töten. Die Kammer ging jedoch davon aus, dass die Angeklagte von diesem Versuch zurückgetreten sei, da sie aktiv und freiwillig den Eintritt des Todes ihres Ehemanns durch das Absetzen eines Notrufs verhindert habe.

Das Strafgesetzbuch sieht vor, dass jemand in dieser Fallkonstellation nicht wegen versuchten Totschlags verurteilt werden darf. Die Kammer kam daher zur Auffassung, dass die Tat eine gefährliche Körperverletzung darstelle.

Eine Verurteilung der Angeklagten kam jedoch nicht in Frage, da sie zum Zeitpunkt der Tat an einer paranoiden Schizophrenie litt und deswegen schuldunfähig war. Aufgrund dessen ordnete die Kammer die Unterbringung der Angeklagten in einer psychiatrischen Klinik an.

Gericht:
Landgericht Mainz, 09.07.2015

LG Mainz
Rechtsindex - Recht & Urteile

Beitrag teilen:

Information zum Beitag Dieses Urteil wurde am 12. Juli 2015 eingetragen und wurde 3431 mal gelesen

Neue Urteile

24.09.2016 - BGH-Urteil: Knallkörper im Fußballstadion

Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs trifft jedem Fußballfan bzw. Zuschauer die Verhaltenspflicht, die Durchführung des Fußballspiels nicht zu stören. Wird hiergegen durch Zünden und Werfen eines Knallkörpers verstoßen und dem Verein wegen des Vorfalls eine Geldstrafe durch den DFB auferlegt, haftet er für diesen Schaden.
Urteil lesen

23.09.2016 - Bewerbung zum Polizeidienst: Brustimplantate als Ablehnungsgrund?

Das Polizeipräsidium München hat die Einstellung einer Bewerberin für den Polizeivollzugsdienst abgelehnt, da sie sich aus kosmetischen Gründen zwei Brustimplantate hat einsetzen lassen. Nach Ansicht des Polizeiarztes ist damit die gesundheitliche Eignung für den Polizeivollzugsdienst nicht mehr gegeben.
Urteil lesen

21.09.2016 - Landgericht Braunschweig: 1.400 Schadensersatzklagen von Anlegern gegen die Volkswagen AG

Derzeit sind etwa 1.400 Schadensersatzklagen von Anlegern gegen die Volkswagen AG beim Landgericht Braunschweig anhängig. Der Streitwert aller Verfahren beläuft sich insgesamt auf ca. 8,2 Milliarden €.
Urteil lesen

19.09.2016 - Mobile Verkehrsschilder - Auto während des Urlaub abgeschleppt

Eine Frau hatte ihr Fahrzeug ordnungsgemäß abgestellt, bevor sie am selben Tag in den Urlaub flog. Am nächsten Tag wurd von einem Umzugsunternehmen mobile Halteverbotsschilder aufgestellt. Zwei Tage später wurde sie abgeschleppt und mit den Kosten belastet. Zu Recht?
Urteil lesen

18.09.2016 - Wohnraummietrecht: Wann liegt eine Überbelegung der Mietwohnung vor?

Ein Mieter schloss einen Mietvertrag über die Anmietung einer 25qm großen Einzimmerwohnung. Im Laufe der Zeit erfuhr die Hausverwaltung, dass auch die Ehefrau und dessen zwei Kinder in der Wohnung lebten. Der Mieter wurde aufgefordert, die Personenanzahl auf 2 zu reduzieren. Dem kam er nicht nach - es folgte die Kündigung.
Urteil lesen

18.09.2016 - Urteil: Darf der Chef Sonderzahlungen einfach kürzen?

Viele Beschäftigte erhalten Sonderzahlungen - z. B. in Form von Urlaubs- oder Weihnachtsgeld. Fraglich ist jedoch, ob sie die Geldbeträge jedes Jahr aufs Neue verlangen dürfen oder ob der Chef die Zahlungen, auch bei einzelnen Arbeitnehmern, einfach verweigern bzw. kürzen kann.
Urteil lesen