Landgericht Düsseldorf, Urteil vom 12.10.2007 - 22 S 240/07

Urteil: Schmerzensgeld wegen HWS-Distorsion nach harter Flugzeuglandung?

Eine Frau begehrt Schmerzensgeld, weil der Landeanflug zu spät eingeleitet wurde, bei der Landung das Flugzeug hart aufsetzte und sie durch das Vibrieren und Schütteln des Flugzeuges eine HWS-Distorsion erlitten habe. Zudem seien Angstzustände gefolgt.

Der Sachverhalt

Die Klägerin macht geltend, im Rahmen der Landung auf dem Flughafen sei es zu einem schweren Flugunfall gekommen. Der Anflug sei offensichtlich zu spät eingeleitet worden, weshalb die Landung in einem Sturzflug erfolgt sei. Um nicht über die Landebahn hinaus zu geraten, seien die Piloten gezwungen gewesen, das Flugzeug extrem stark abzubremsen.

Durch das extreme Vibrieren und Schütteln des Flugzeuges habe sie - die Klägerin - eine HWS-Distorsion mit erheblicher schmerzhafter Bewegungseinschränkung erlitten. Zudem seien Angstzustände gefolgt, die bis heute andauern würden.

Die Beklagte argumentiert, dass die wegen starker Winde schwierige Landung sich noch innerhalb des Toleranzbereiches bewegt habe. Ein Pilotenfehler habe nicht vorgelegen. Der von der Klägerin geschilderte Geschehensablauf könne nicht zu einem HWS-Schleudertrauma geführt haben. Soweit sich die Klägerin auf Angstzustände berufe, habe der Landeablauf keinen verständlichen Anlass für entsprechende psychische Reaktionen geboten.

Das Urteil des Landgerichts Düsseldorf (22 S 240/07)

Der Klägerin steht gegenüber der Beklagten der geltend gemachte Schmerzensgeldanspruch nicht zu, so das Urteil des Landgerichts Düsseldorf (Az. 22 S 240/07). Voraussetzung hierfür wäre, dass nach Art. 17 Abs. 1 MÜ eine Körperverletzung der Klägerin durch einen Unfall verursacht worden wäre. Unfall im Sinne dieser Vorschrift ist nur ein besonderes Ereignis.

Mit harter Landung muss man rechnen

Dagegen rechtfertigen typische Vorkommnisse bei einer Luftbeförderung, mit denen der Fluggast rechnen muss, nicht die Annahme eines besonderen Ereignisses. Zu diesen typischen Vorkommnissen gehört auch eine harte Landung (vgl. Giemulla/Schmidt MÜ Art 17 Rn 12 f). Dass mehr als eine harte Landung im vorliegenden Fall vorgelegen hatte, ist nicht feststellbar.

Mit starkem Abbremsen muss man rechnen

Das Flugzeug war selbst nach Klägervortrag auf der Landebahn zum Stehen gekommen. Ob dies erst kurz vor Ende der Bahn der Fall gewesen sein soll, ist unerheblich. Auch mit einem starken Abbremsen des Flugzeugs nach dem Aufsetzen auf der Landebahn muss ein Fluggast grundsätzlich rechnen.

Gericht:
Landgericht Düsseldorf, Urteil vom 12.10.2007 - 22 S 240/07

LG Düsseldorf
Rechtsindex - Recht & Urteile

Beitrag teilen:

Information zum Beitag Dieses Urteil wurde am 29. Januar 2015 eingetragen und wurde 6106 mal gelesen

Neue Urteile

19.09.2017 - Kein Hartz-IV wegen Neuwagenkauf

Das LandesSozialgericht Niedersachsen-Bremen (LSG) hat entschieden, dass der KfzFreibetrag bei der Gewährung von Grundsicherungsleistungen nach dem SGB II auch dann nicht mehrfach beansprucht werden kann, wenn mehrere erwerbsfähige Familienmitglieder nur ein gemeinsames Auto haben.
Urteil lesen

18.09.2017 - Wenn das Auto auf dem Gelände des Arbeitgebers zerstört wird...

Der Mitarbeiter parkte sein Fahrzeug auf dem Betriebshof seiner Arbeitgeberin, der beklagten Gemeinde. An diesem Tag zog ein Sturm auf und schob einen Großmüllbehälter auf das Fahrzeug des Mitarbeiters, welches einen wirtschaftlichen Totalschaden erlitt.  In der Sache geht es um Verkehrssicherungspflicht und Schadensersatz.
Urteil lesen

17.09.2017 - Urteil: Mieter muss Techniker Rauchmelderprüfung ermöglichen

Nach Urteil des Amtsgerichts Frankfurt sind Mieter dazu verpflichtet, einen Techniker in die Wohnung zu lassen, der im Auftrag des Vermieters die Rauchmelder kontrollieren soll. Dies gilt zumindest bei rechtzeitiger Vorankündigung und einem Besuch zwischen 8 und 18 Uhr.
Urteil lesen

16.09.2017 - Ungebührliches Verhalten: Zeuge maßregelt den Staatsanwalt

Ein Mann musste als Zeuge in einem Strafverfahren wegen übler Nachrede vor einem Amtsgericht aussagen. Als sich der Staatsanwalt äußern wollte, wurde der Zeuge laut und aggressiv und erwiderte dem Staatsanwalt, er habe sich nicht einzumischen, die Richterin würde die Fragen stellen. Der Zeuge wehrt sich gegen das Ordnungsgeld.
Urteil lesen

15.09.2017 - Kündigung wegen schlechter Arbeitsleistung

Kündigt der Arbeitgeber einen Mitarbeiter wegen schlechter Arbeitsleistungen, muss er die Leistungen des Mitarbeiters in Relation zu aller vergleichbaren Arbeitnehmer beurteilen. Liegt eine erheblich unterschreitende Arbeitsleistung vor,  kann eine verhaltensbedingte Kündigung nach Abmahnung gerechtfertigt sein.
Urteil lesen

12.09.2017 - Versorgungsehe - Heirat kurz vor dem Tod

Wer jahrelang ohne "Trauschein" zusammenlebt, entscheidet sich bewusst gegen eine Heirat.  Wird nach Diagnose einer schweren Erkrankung geheiratet, spricht das für eine Versorgungsehe. Dies gilt auch, wenn es sich um eine langjährige und von Liebe geprägten Beziehung handelt.
Urteil lesen