Landgericht Frankfurt, Urteil vom 20.05.2008 - 2/24 S 258/07

Miniclub für Kinder - Aber keiner spricht Deutsch...

Die Zusage des Vorhandenseins eines "Miniclubs" beinhaltet ohne weitere Angaben jedenfalls dann nicht gleichzeitig die Zusage, dass in diesem "Miniclub" auch deutsch gesprochen wird, wenn es sich um ein Hotel in einem Land außerhalb des deutschsprachigen Raumes handelt.

Der Sachverhalt

Eine Familie verlangte nach ihrem Türkeiurlaub eine Reisepreisminderung, weil die Betreuer im Miniclub des Hotels nicht die deutsche Sprache beherrschten. Das Amtsgericht Frankfurt hat eine Minderung für den Umstand zuerkannt, dass in dem im Reiseprospekt erwähnten "Miniclub für Kinder von 4-12 Jahren" lediglich russisch gesprochen worden ist.

Aus dem Urteil des Landgerichts Frankfurt

Entgegen der Auffassung des Amtsgerichts beinhaltet die Zusage des Vorhandenseins eines "Miniclubs" ohne weitere Angaben jedenfalls dann nicht gleichzeitig die Zusage, dass in diesem "Miniclub" auch deutsch gesprochen wird, wenn es sich um ein Hotel in einem Land außerhalb des deutschsprachigen Raumes handelt.

Ein verständiger durchschnittlicher Reisender, auf dessen Sicht abzustellen ist, kann nicht erwarten, dass in einem Hotel in der Türkei ausschließlich deutsche Familien ihren Urlaub verbringen. Er muss vielmehr damit rechnen, dass sich in dem gebuchten Hotel neben Deutschen auch andere Nationalitäten befinden werden. Angesichts dessen fehlt aber einer berechtigten Erwartung, dass in dem "Miniclub" gerade deutsch gesprochen wird, die Grundlage. Ohne eine entsprechende Angabe kann nicht davon ausgegangen werden, dass sich dort gerade deutsche Urlauber in der Mehrzahl befinden und aus diesem Grund die "Clubsprache" wohl deutsch sein wird, bzw. dass die "Betreuer" sämtliche denkbaren Sprachen beherrschen. In einer internationalen Hotelatmosphäre kann deshalb nicht davon ausgegangen werden, dass die Betreuung der Kinder auf Deutsch erfolgt.

Da der "Miniclub" in erster Linie die Betreuung und Unterhaltung von Kindern bezweckt und nicht eine irgendwie geartete "Unterrichtung" dieser, ist zur Erreichung dieses Zweckes auch nicht erforderlich, dass die "Betreuer" bzw. "Unterhalter" mit den Kindern in der Muttersprache kommunizieren können.

Rechtsgrundlage:
§ 651c Abs 1 BGB

Themenindex:
Reisepreisminderung, Reisemangel

Gericht:
Landgericht Frankfurt a.M., Urteil vom 20.05.2008 - 2/24 S 258/07

Rechtsindex - Recht & Urteile

Beitrag teilen:

Information zum Beitag Dieses Urteil wurde am 30. November 2014 eingetragen und wurde 5612 mal gelesen

Neue Urteile

25.09.2016 - Mietminderung: Baulärm vom Nachbargrundstück

Eine Mieterin verlangt knapp 950,00 EUR von der bereits an die Vermieterin gezahlten vollen Miete für die Monate Juni 2014 bis März 2015 zurück, weil sie sich vom Nachbargrundstück durch Baulärm und Staub gestört fühlte. Die Vermieterin weigert sich, weil der Lärm nicht von ihr zu verantworten war.
Urteil lesen

24.09.2016 - BGH-Urteil: Knallkörper im Fußballstadion

Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs trifft jedem Fußballfan bzw. Zuschauer die Verhaltenspflicht, die Durchführung des Fußballspiels nicht zu stören. Wird hiergegen durch Zünden und Werfen eines Knallkörpers verstoßen und dem Verein wegen des Vorfalls eine Geldstrafe durch den DFB auferlegt, haftet er für diesen Schaden.
Urteil lesen

23.09.2016 - Bewerbung zum Polizeidienst: Brustimplantate als Ablehnungsgrund?

Das Polizeipräsidium München hat die Einstellung einer Bewerberin für den Polizeivollzugsdienst abgelehnt, da sie sich aus kosmetischen Gründen zwei Brustimplantate hat einsetzen lassen. Nach Ansicht des Polizeiarztes ist damit die gesundheitliche Eignung für den Polizeivollzugsdienst nicht mehr gegeben.
Urteil lesen

21.09.2016 - Landgericht Braunschweig: 1.400 Schadensersatzklagen von Anlegern gegen die Volkswagen AG

Derzeit sind etwa 1.400 Schadensersatzklagen von Anlegern gegen die Volkswagen AG beim Landgericht Braunschweig anhängig. Der Streitwert aller Verfahren beläuft sich insgesamt auf ca. 8,2 Milliarden €.
Urteil lesen

19.09.2016 - Mobile Verkehrsschilder - Auto während des Urlaub abgeschleppt

Eine Frau hatte ihr Fahrzeug ordnungsgemäß abgestellt, bevor sie am selben Tag in den Urlaub flog. Am nächsten Tag wurd von einem Umzugsunternehmen mobile Halteverbotsschilder aufgestellt. Zwei Tage später wurde sie abgeschleppt und mit den Kosten belastet. Zu Recht?
Urteil lesen

18.09.2016 - Wohnraummietrecht: Wann liegt eine Überbelegung der Mietwohnung vor?

Ein Mieter schloss einen Mietvertrag über die Anmietung einer 25qm großen Einzimmerwohnung. Im Laufe der Zeit erfuhr die Hausverwaltung, dass auch die Ehefrau und dessen zwei Kinder in der Wohnung lebten. Der Mieter wurde aufgefordert, die Personenanzahl auf 2 zu reduzieren. Dem kam er nicht nach - es folgte die Kündigung.
Urteil lesen