Amtsgericht Meldorf

Zwei Faustschläge nach Fremdgehen - Kein Schmerzensgeld

Nachdem eine Frau erfuhr, dass ihr Lebensgefährte sie mit einer anderen Frau betrogen hat, erteilte die Frau der Rivalin zwei Faustschläge ins Gesicht. Diese begehrte Prozesskostenhilfe für eine Schmerzensgeldklage, doch das Gericht lehnte ab. Nach dem vorausgegangenen Geschlechtsverkehr sei es unbillig, Schmerzensgeld zu verlangen.

Die betrogene Frau...

Eine Frau war außer sich, nachdem sie unmittelbar zuvor erfahren hatte, dass ihr Lebensgefährte sie mit einer anderen Frau betrogen hat. Diese Frau stand ihr gegenüber und sie versetzte ihr zwei Schläge ins Gesicht. Ein Arzt, den die Frau unmittelbar nach dem Vorfall aufsuchte, attestierte eine Kratzwunde an der Stirn sowie in der linken Gesichtshälfte, eine Jochbeinprellung und ein stark gerötetes, gereiztes und tränendes linkes Auge.

Die geschlagene Frau klagte vor dem Amtsgericht Meldorf. Dem Ansinnen der Klägerin, für eine Schmerzensgeldklage und eine Klage auf Ersatz der ihr entstandenen Rechtsanwaltskosten Prozesskostenhilfe zu erhalten, hat das Amtsgericht Meldorf bereits eine Absage erteilt.

Das Amtsgericht hat seine Entscheidung damit begründet, dass der vorausgegangene Geschlechtsverkehr mit dem Lebensgefährten der Beklagten bei der Gesamtwürdigung, die bei Schmerzensgeldforderungen unter Billigkeitsgesichtspunkten vorzunehmen ist, ein solches Gewicht habe, dass eine Geldentschädigung für die nachfolgenden im Wesentlichen folgenlosen zwei Schläge unbillig erscheine.

Am 10.02.2014 ist jedoch ein Urteil ergangen. Die Beklagte hat in der mündlichen Verhandlung ihre Verpflichtung anerkannt, der Klägerin künftige materielle Schäden, die aus dem Vorfall noch entstehen können, zu ersetzen. Das Amtsgericht hat ein entsprechendes Anerkenntnisurteil erlassen, nachdem die Klägerin ihre auf Ersatz künftiger immaterieller Schäden und Schmerzensgeld gerichtete weitergehende Klage zurückgenommen hatte.

Amtsgericht Meldorf
Rechtsindex - Recht & Urteile

Beitrag teilen:

Information zum Beitag Dieses Urteil wurde am 21. Februar 2014 eingetragen und wurde 7718 mal gelesen

Neue Urteile

19.02.2017 - Urteil: Alleinige Haftung eines Elfjährigen für Fahrradunfall

Verursacht ein verkehrswidrig fahrender, elfjähriger Radfahrer einen Zusammenstoß mit einer Radfahrerin, bei dem diese erhebliche Verletzungen leidet, kann der Elfjährige für die Unfallfolgen der Radfahrerin allein zu haften haben.
Urteil lesen

18.02.2017 - Reisemangel - Buffet ständig leer, weil andere Gäste sich die Teller überhäufen

Die Kläger buchten eine 14-tägige Pauschalreise in die Türkei. Neben etlichen weiteren Mängeln monierten die Kläger, dass die Speisen im Bereich des Buffets nur äußerst langsam nachgefüllt wurden. Das beruhte darauf, dass russische Staatsangehörige das Büffet regelrecht geplündert hätten.
Urteil lesen

18.02.2017 - Schmerzensgeldanspruch nach einer fehlerhaften Permanent-Make-Up-Behandlung

Die Kundin eines Kosmetikstudios war mit dem Ergebnis einer Permanent-Make-Up-Behandlung nicht zufrieden. Am unteren Lidstrich sei ein weißgelber Farbton entstanden, der entstellend sei. Ferner seien die unteren Lidstriche unterschiedlich dick. Sie fordert ein Schmerzensgeld von mindestens 3000 Euro und den Ersatz aller zukünftigen Schäden.
Urteil lesen

17.02.2017 - "Reichsbürger" klagt auf Unterhalt nach der Haager Landkriegsordnung

Der Kläger hatte gegenüber dem Versorgungsamt Bremen geltend gemacht, das Deutsche Reich bestehe fort. Deutschland sei "besetztes Gebiet" und er selbst sei Kriegsgefangener. Der Kläger verfolgt einen Anspruch auf Zahlung von Unterhalt nach der Haager Landkriegsordnung, konkret nach Kapitel II, Art. 7.
Urteil lesen

16.02.2017 - Urteil Hundesteuer: Sind 1000 Euro für einen gefährlichen Hund überhöht?

Der Kläger ist Halter eines Hundes der Rasse Staffordshire Bullterrier, die vom rhein­land-pfälzischen Gesetzgeber als gefährlich eingestuft wird. Nach der lokalen Hundesteuer­satzung beträgt der Steuersatz für einen Hund 60 € und für einen gefährlichen Hund 1.000 € im Jahr. Mit seiner Klage macht er geltend, dass der Steuersatz überhöht sei.
Urteil lesen

15.02.2017 - Jobcenter: Startkapital von 60.000 Euro für ein Börsentermingeschäft?

Ein langjähriger Hartz-IV-Empfänger begehrte von seinem zuständigen Jobcenter 60.000,00 € Startkapital für die Ausübung eines sog. "Day-Trading mit Index-Futures" als selbständige Tätigkeit. Er meinte, an monatlich 10 Arbeitstagen und einer Erfolgsquote von min. 80 % Einnahmen in Höhe von 6.400,00 € erzielen zu können.
Urteil lesen