Ein Beitrag von anwalt.de

Streit um Wohnfläche: Sind Maklerangaben verbindlich?

In vielen Mietverträgen finden sich keine Angaben zur Größe der Wohnung. Dennoch werden die Verträge abgeschlossen, weil die Mieter auf Angaben des Maklers zur Wohnfläche vertraut haben. Stellen sich diese Aussagen später jedoch als falsch heraus, fragen sich die Mieter häufig, ob sie den Mietvertrag noch anfechten können.

Wer keine Lust oder Zeit hat, sich selbst um die Vermietung bzw. den Verkauf einer Immobilie zu kümmern, beauftragt einen Makler. Um als Vermittler tätig werden zu können, benötigt der Makler aber bestimmte Unterlagen und Angaben vom Auftraggeber, z. B. die Höhe der Miete oder des Kaufpreises, das Baujahr oder auch die Größe der Wohnung, des Hauses oder des Grundstücks. Doch welche Rechte hat ein Mieter, wenn er nach Abschluss des Mietvertrags herausfindet, dass mündliche Angaben des Maklers nicht der Wahrheit entsprechen?

Täuschung über Wohnfläche?

Eine Vermieterin verklagte ihren Mieter auf Zahlung von Miete. Der gab jedoch an, den Mietvertrag wegen Täuschung wirksam angefochten zu haben und daher keinen Cent bezahlen zu müssen. Grund für die Anfechtung sei eine Lüge der Maklerin über die Größe der Wohnfläche. Diese Aussage müsse sich die Vermieterin zurechnen lassen, weil sie die Maklerin beauftragt habe. Im Übrigen habe er sich nur deshalb den Grundriss der Wohnung vor Vertragsschluss nicht zeigen lassen, weil die Vermieterin ihn mit ihren familiären Problemen davon "abgelenkt" habe.

Die Vermieterin erwiderte, dass sie sich die angebliche Falschaussage der Maklerin nicht zurechnen lassen müsse. Im Übrigen sei die Größe der Wohnfläche im Inserat wahrheitsgemäß angegeben worden, was durch ein Sachverständigengutachten bestätigt worden sei. Dem Mieter sei die Größe der Wohnfläche daher bekannt gewesen.

Keine Vereinbarung über Wohnflächengröße

Das Landgericht (LG) München I verpflichtete den Mieter zur Zahlung. Schließlich hatte er den Mietvertrag nicht wirksam nach § 142 I Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) angefochten.

Mietvertrag ohne Wohnflächenvereinbarung

Zwischen den Parteien bestand ein wirksamer Mietvertrag - allerdings enthielt dieser keine Regelung zu einer bestimmten Wohnflächengröße. Zwar ist auch eine schlüssige Vereinbarung möglich, z. B. wenn die Parteien bei Vertragsschluss von einer bestimmten Wohnfläche ausgegangen sind oder dem Mietinteressenten Wohnungsgrundrisse bzw. detaillierte Flächenberechnungen vorgelegt wurden, die nicht der Wahrheit entsprechen.

Keine Vereinbarung wegen falscher Maklerangaben

Vorliegend gab es jedoch keine derartige konkludente Wohnflächenvereinbarung. Die vorvertraglichen Angaben der Vermieterin in dem Inserat bzw. dem Exposé stellten vielmehr eine bloße Beschreibung der Mietsache dar. Auch die mündlichen Angaben der Maklerin führten nicht dazu, dass eine bestimmte Wohnfläche als vereinbart galt. Denn die Vermieterin musste sich das Verhalten der Maklerin nicht als eigenes zurechnen lassen. Die Maklerin hat die Falschaussagen schließlich nur im Rahmen ihrer Vermittlertätigkeit gemacht. Dagegen wurde sie nicht als Hilfsperson der Vermieterin - z. B. in Vertragsverhandlungen - tätig. Deshalb wurden ihre Angaben auch nicht Bestandteil des Mietvertrags zwischen der Vermieterin und dem Mietinteressenten.

Letztendlich wies das Gericht darauf hin, dass allein ein Telefonat mit einem Makler noch zu keiner Klärung über die Größe der Wohnfläche führt. Anders als bei der Übergabe von Flächenberechnungen, die dem Mieter eine gewisse Sicherheit in Bezug auf die Wohnfläche bieten, darf man Maklerangaben nicht "blind vertrauen". Ein Vermieter darf deshalb davon ausgehen, dass der Mietinteressent von ihm eine vertragliche Regelung oder Dokumentationen über die Wohnfläche - etwa einen Grundriss - verlangt, wenn ihm die Wohnflächengröße wichtig ist. Darauf hat der Mieter im vorliegenden Fall jedoch verzichtet. Von einer schlüssigen Wohnflächenvereinbarung konnte daher keine Rede sein.

Somit war die Wohnflächengröße kein wirksamer Vertragsbestandteil geworden. Der Mietvertrag konnte aus diesem Grund auch nicht wegen einer Täuschung über die Wohnflächengröße angefochten werden.

Gericht:
Landgericht München I, Urteil vom 21.01.2016 - 31 S 23070/14, n.rkr.

Sandra Voigt
Assessorin
Redakteurin - Juristische Redaktion
Ein Beitrag von anwalt.de

Unternehmensprofil:
anwalt.de ist eines der reichweitenstärksten Anwaltsportale im deutschsprachigen Raum und verfügt über eine eigene juristische Fachredaktion, die täglich interessante Artikel zu aktuellen Urteilen, neuen Gesetzen oder Gesetzesänderungen verfasst. Bei anwalt.de finden Sie den passenden Rechtsanwalt in Ihrer Nähe für jedes private oder berufliche Rechtsproblem.

Beitrag teilen:

Information zum Beitag Dieses Urteil wurde am 27. Januar 2016 eingetragen und wurde 7006 mal gelesen

Werbung

Neue Urteile

25.05.2017 - Impfschäden - Eltern uneinig über Impfung ihres Kindes

Die nichtehelichen Eltern streiten sich über die Notwendigkeit von Schutzimpfungen für ihre im Juni 2012 geborenen Tochter. Die Mutter, bei der die Tochter lebt, ist der Meinung, das Risiko von Impfschäden wiege schwerer als das allgemeine Infektionsrisiko. Die Eltern haben wechselseitig die Alleinübertragung der Gesundheitssorge beantragt.
Urteil lesen

25.05.2017 - Rechtsreferendarin darf auf der Richterbank kein Kopftuch tragen

Das Verwaltungsgericht Frankfurt hat es einer Rechtsreferendarin islamischen Glaubens ermöglicht, ihren juristischen Vorbereitungsdienst mit einem Kopftuch durchzuführen. Der Hessische Verwaltungsgerichtshof hat nun den Beschluss des Verwaltungsgerichts aufgehoben.
Urteil lesen

20.05.2017 - Hohe Anforderungen für eine Stiefkindadoption

Wenn ein Ehepartner ein Kind aus einer früheren Beziehung mit in die Ehe bringt, stellt sich zuweilen die Frage, ob der neue Ehepartner das Kind adoptieren kann, so dass es dann rechtlich gesehen ein gemeinsames Kind der neuen Ehegatten ist. Mit so einem Fall musste sich das OLG Oldenburg (Az. 4 UF 33/17) beschäftigen.
Urteil lesen

20.05.2017 - Der hochhackige Schuh im Gitterrost - Haftung des Hauseigentümers?

Die Eigentümerin eines alten Mehrfamilienhauses verletzt ihre Verkehrssicherungspflicht nicht, wenn sich vor dem Hauseingang ein Fußabtreter in Form eines Gitterrosts befindet, der Öffnungen mit einer Größe von jeweils 4 cm x 7,3 cm aufweist, und eine Besucherin mit dem schmalen Absatz ihres Schuhs im Gitterrost hängenbleibt.
Urteil lesen

19.05.2017 - Böllerwurf - Keine charakterliche Eignung für den Polizeivollzugsdienst

Für den Polizeivollzugsdienst sind besondere Anforderungen an die charakterliche Eignung eines Bewerbers zu stellen. Im vorliegenden Fall warf ein 20-jähriger Bewerber im Mai 2013 von seinem Balkon drei nicht in Deutschland zugelassene Böller in Richtung eines KinderSpielplatzes.
Urteil lesen

18.05.2017 - Handy in der Schule - Lehrer behält Handy über das Wochenende

Der Klassenlehrer eines Schülers zog dessen Mobiltelefon wegen Störung des Unterrichts ein. Das Handy wurde über das Wochenende einbehalten und eine Rückgabe an die Mutter erfolgte Montags über das Schulsekretariat. Schüler und Eltern sehen die Einziehung und Verwahrung des Handys als rechtswidrig. Zu Recht?
Urteil lesen