Ein Beitrag von anwalt.de

Baby nach Seitensprung - Umgangsrecht für möglichen Vater?

Hat eine Frau eine außereheliche Affäre und bringt sie einige Monate später ein Kind zur Welt, kann nur ein Vaterschaftstest über die Identität des Erzeugers Klarheit bringen. Doch kann die Mutter zur Durchführung des Tests bei dem Kind gezwungen werden?

Während einer Ehekrise beginnt so manche/r eine Affäre. Die kann auf verschiedene Arten ans Licht kommen, z. B. weil man in flagranti erwischt wird oder weil das „kleine“ Abenteuer große Folgen hat, nämlich in Form eines pausbäckigen Babys. Ist aber nicht klar, ob der betrogene Ehemann oder der heimliche Liebhaber der Erzeuger des Kindes ist, stellt sich die Frage, ob der Geliebte einen Anspruch auf Umgang mit dem Kind hat.

Möglicher Vater will Umgang mit Kind

Eine Frau hatte eine außereheliche Affäre und brachte einige Monate später ein Kind zur Welt. Der Liebhaber ging davon aus, dass er der Erzeuger ist, und forderte Umgang mit dem Kind. Das jedoch verweigerten die Mutter und ihr Ehemann – der über die Affäre Bescheid wusste.

Die beiden hielten den Exgeliebten der Frau für einen Eindringling in eine intakte Familie und wollten daher jegliche Einmischung durch ihn verhindern. Die Kindsmutter lehnte deshalb auch die Durchführung einer Abstammungsuntersuchung ab. Der potenzielle Erzeuger des Kindes zog daraufhin vor Gericht und verlangte die Durchführung eines Vaterschaftstests.

Abstammung des Kindes muss geklärt werden

Das Oberlandesgericht (OLG) Oldenburg gab dem Vater Recht und verpflichtete die Mutter dazu, eine Abstammungsuntersuchung bei dem Kind zu dulden.

Rechtlicher Vater vs. leiblicher Vater

Ist eine Frau verheiratet, wenn sie ein Kind bekommt, wird in rechtlicher Hinsicht zunächst ihr Ehemann als Kindsvater angesehen, vgl. § 1592 Nr. 1 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) – egal, ob er das Kind gezeugt hat oder nicht. Der ledige, aber biologische Vater dagegen kann dann unter anderem nach § 1686a I Nr. 1 BGB Umgang mit dem Kind verlangen, wenn er ein ernsthaftes Interesse an dem Kind hat und die regelmäßigen Kontakte dem Kindeswohl dienen.

Umgang nur bei biologischer Vaterschaft

Vorliegend wiesen die Richter darauf hin, dass ein Umgangsrecht des Liebhabers gemäß § 1686a I Nr. 1 BGB nur besteht, wenn er der leibliche Vater ist. Eine Abstammungsuntersuchung war daher unerlässlich. Dies führte auch nicht zu Problemen innerhalb der Familie der Frau, da ihr Ehemann über die Affäre und die mögliche Vaterschaft des Exgeliebten seiner Frau Bescheid wusste.

Im Übrigen ist es grundsätzlich von Vorteil, die Vaterschaft möglichst früh zu klären, damit der leibliche Vater und das Kind die Möglichkeit haben, eine soziale Bindung und gegenseitige Vertrautheit aufzubauen. Das wäre nicht ohne Weiteres möglich, wenn das Kind schon älter ist und plötzlich einem Fremden gegenübersteht, der ihm als sein biologischer Vater vorgestellt wird.

Sofern die biologische Vaterschaft vorliegend festgestellt wird, muss infolgedessen geklärt werden, ob der Umgang mit dem Vater dem Wohl des Kindes entspricht. Sofern sich dagegen herausstellt, dass der Exliebhaber mit dem Kind gar nicht verwandt ist, wären weitere Ermittlungen zum Kindeswohl ohnehin nicht mehr nötig, weil ihm dann auch kein Umgangsrecht zustünde.

Gericht:
Oberlandesgericht Oldenburg, Beschluss vom 14.02.2017 - 13 WF 14/17

Sandra Voigt
Assessorin
Redakteurin - Juristische Redaktion
Ein Beitrag von anwalt.de services AG

Unternehmensprofil:
anwalt.de ist eines der reichweitenstärksten Anwaltsportale im deutschsprachigen Raum und verfügt über eine eigene juristische Fachredaktion, die täglich interessante Artikel zu aktuellen Urteilen, neuen Gesetzen oder Gesetzesänderungen verfasst. Bei anwalt.de finden Sie den passenden Rechtsanwalt in Ihrer Nähe für jedes private oder berufliche Rechtsproblem.

Beitrag teilen:

Information zum Beitag Dieses Urteil wurde am 19. März 2017 eingetragen und wurde 11312 mal gelesen

Neue Urteile

19.01.2018 - eBay-Verkauf - Versehentlich 1-Euro Sofortkauf erstellt

Einem ebay-Verkäufer unterlief bei Erstellung des Angebots ein Fehler. Er wollte eine "Auktion" mit einem Startpreis von 1,00 € lediglich als Vorschau erstellen, schaltete die Auktion aber zum Sofortkaufpreis von 1,00 € aktiv. Sofort gab es  einen Käufer, der nun Schadensersatz wegen Nichterfüllung verlangt.
Urteil lesen

02.01.2018 - Zufahrt zum Mietshaus gesperrt - Mietminderung möglich?

Nicht alle Grundstücke sind gleichermaßen gut zugänglich. Viele Anwohner können also nicht bequem mit ihrem Auto bis vor die Haustür fahren, sondern müssen erst noch einige - zig - Meter einen Weg entlanglaufen, bis sie an ihr Ziel kommen. Das ist vor allem dann ärgerlich, wenn die betreffende Person nicht gut zu Fuß ist oder schwere Einkäufe ins Haus bringen möchte.
Urteil lesen

27.12.2017 - Harndrang: Bürger verlangt Aufstellung öffentlicher Toiletten

Ein Mann wollte die Stadt Essen verpflichten, auf den öffentlichen Plätzen im Stadtgebiet öffentliche, kostenfrei benutzbare Toiletten zu schaffen und kostenfreien Zugang zu vorhandenen Toiletten zu ermöglichen. Übergangsweise verlangte er im Eilverfahren die Aufstellung von Dixi-Toiletten.
Urteil lesen

16.12.2017 - Mieter schlägt Freundin und beleidigt massiv Nachbarn

Im vorliegenden Fall hat ein Mieter seine Freundin geschlagen, die sodann aus der Wohnung flüchtete und beim Nachbarn Schutz suchte. Dieser wurde mit den übelsten Worten beschimpft. Werden Nachbarn derart massiv beleidigt und bedroht, darf der Vermieter ohne Abmahnung fristlos kündigen, so das Amtsgericht München.
Urteil lesen

15.12.2017 - Großeltern verlangen unbegleiteten Umgang mit dem Enkelkind

Großeltern haben nur dann ein Umgangsrecht, wenn dies dem Wohl des Kindes dient. Etwas Anderes kann gelten, wenn das Kind aufgrund der Zerrüttung des persönlichen Verhältnisses zwischen den Großeltern und den Eltern in einen Loyalitätskonflikt geraten kann.
Urteil lesen

15.12.2017 - Wenn die Mutter sich nicht an die Umgangsvereinbarung hält...

Verbleiben die Kinder nach einer Trennung im Haushalt des einen Partners, hat der andere Partner grundsätzlich ein Umgangsrecht. Zur genauen Ausgestaltung kann eine sogenannte Umgangsvereinbarung geschlossen werden. Leider zeigt die familiengerichtliche Praxis, dass solche Vereinbarungen nicht immer eingehalten werden. Dann kann es auch teuer werden...
Urteil lesen